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Wer Fat Boy fährt, braucht kein Yoga, um eins zu werden mit Gott und der Welt. Das gilt auch und erst recht für das aktuelle 2012er Modell mit dem größeren Motor
Friedliche Passanten zucken regelmäßig zusammen, wenn eine Fat Boy in moderater Schräglage an ihnen vorbeischraddelt. Wie schon bei der ersten Version von 1990 schlagen die fetten Trittbretter auch beim aktuellen 2012er Modell in jedem popeligen Kreisverkehr mächtig Funken. Was das angeht, ist sich Harleys Heavy Metal-Bike in all den Jahren treu geblieben. Und auch sonst dürften Menschen, die nicht so sehr im Thema drinstecken, kaum einen Unterschied zwischen einer Ur-Fat Boy und einem aktuellen Modell ausmachen. Dabei beschränken sich die Gemeinsamkeiten lediglich auf die hinreißend massive Schwergewichtsoptik und das einmalig relaxte Fahrgefühl. Tatsächlich entspricht aber kaum eine Schraube mehr dem Ur-Modell von 1990.

Die Mehrleistung spürt man geim Fahren kaum

Während damals noch der 1340er Evolution-V2 mit lächerlichen 45 PS (in der zugeschnürten Euro-Version) für Vortrieb sorgte, stellt die aktuelle Fat Boy mit 1690 ccm Hubraum knapp 80 Pferdestärken bereit. Damit soll sie es laut Hersteller auf knapp 200 Sachen bringen. Ja ja, schon klar … Fakt ist: Durch das jüngste Motor-Update vom 96 zum 103 Kubikinch Twin Cam-Motor legte die 330 Kilo schwere Stil-Ikone um drei PS an Leistung zu. Das spürt kein Mensch. Feinfühlige Reiter freuen sich aber sehr wohl an dem Plus an Drehmoment von sieben Nm, das nun 250 Umdrehungen früher anliegt. Konkret sprechen wir hier von satten 132 Nm bei moderaten 3.250 Touren pro Minute. Damit ist das dicke Gerät durchaus erhaben genug motorisiert, um jederzeit souverän aus Kehren herauszubollern und beim Ampelstart jedem Reiskocher Paroli zu bieten – zumindest die ersten 30 Meter.



Trotz der begrenzten Schräglagenfreiheit fühlt sich die Fat Boy dank ihrer moderat breiten 17-Zoll-Reifen in kurvigen Gefilden pudelwohl. Dabei lässt sich die Intensität der Kratzgeräusche prima variieren, was eher unterhaltsam als störend wirkt. Sie hält sauber die Spur und lässt sich erstaunlich behände und linientreu um die Kurven zirkeln. Lediglich bei üblen Frostaufbrüchen und herben Schlaglöchern machen sich die begrenzten Federungsreserven des Softail-Fahrwerks bemerkbar. Dann poltert und ächzt das Dickschiff über die Buckelpiste und scheint sich an allen Ecken und Ende unbehaglich zu winden und zur Mäßigung zu mahnen. Aber wenn sich die Welt auf dem glänzenden Scheinwerfergehäuse formatfüllend spiegelt und die Mutter aller Cruiser genüsslich auf der Drehmomentwelle surft, stellt sich dieses pulsierende Glücksgefühl ein, dass nur ein V-Twin aus Milwaukee in dieser Intensität zu vermitteln vermag. Und selbst die Spaßverderber der Legislative können der Seligkeit dank überzeugendem Soundmanagement keinen Strich durch die Rechnung machen. Ohne den Mitmenschen über Gebühr auf den Sack zu gehen, bollert die Fat Boy ziemlich erregend aus ihren beiden Shotgun-Pipes. Mehr Serien-Erdigkeit geht im Euro 3-Zeitalter nicht.   

Fast kein Chrom dran: Alle bei der normalen Fat Boy verchromten Baugruppen sind an der „Special“ in mattem Satin-Stil gehalten

Seit Modelljahrgang 2010 gibt es die Fat Boy (FLSTF) auch als Special-Version (FLSTB), die besonders in mattschwarz zeitlos schön ist. Mit edel satinierten Metalloberflächen und quasi chromlos zeigt sich das Schwergewicht so von seiner dunkelsten Seite. Die läppischen 300 Euro Aufpreis sind jedenfalls gut investiert, denn die Special mit ihrem exklusiven Finish ist als Gesamtkunstwerk stimmig wie vielleicht keine andere Serien-Harley.



Nichts an diesem Motorrad verlangt nach Customizing. Von der großen „Kino-Lampe“ über die stämmig verkleidete Gabel bis zu den ausladenden Schutzblechen trifft Harley-Davidson mit diesem betont maskulinen XXL-Look voll ins Schwarze. Das beweisen auch die Verkaufszahlen: Die Fat Boy ist seit 22 Jahren ununterbrochen in Harleys Modellprogramm und die mit Abstand bestverkaufte Softail. Daran wird sich sicherlich auch 2012 nichts ändern …
Technische Daten
Motor: Twin Cam 103
Hubraum: 1690 ccm
Bohrung: 98,4 mm
Hub: 111,1 mm
Leistung: 79 PS bei 5250 U/min
Drehmoment: 132 Nm bei 3250 U/min
Höchstgeschwindigkeit (laut Hersteller): 195 km/h
Bereifung: vorn 140/75-17, hinten 200/55-17
Leergewicht: 330 kg
Zuladung: 196 kg
Tankinhalt: 18,9 l
Radstand: 1630 mm
Sitzhöhe: 670 mm
Preis: ab 20.745 Euro
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