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Die Hammer-8-Ball von Victory ist von Haus aus breit bereift. H&B Motorcycle war das nicht genug und hat einen 300er ins Heck transplantiert. Kurzes Heck und Stummellenker komplettieren den sportlichen Cruiser
Customizer haben’s nicht leicht. Während sie mit dem Auf- und Umbau von Kundenmotorrädern beschäftigt sind, bleibt ihnen oftmals keine Zeit, sich um ihre eigenen Öfen zu kümmern, geschweige denn ihr Können und ihre Energie in einen Eigenbau zu stecken. Peter Bader bildet da keine Ausnahme. Zusammen mit Ludwig Hafner betreibt er die Customschmiede H&B Motorcycle im schwäbischen Thannhausen. Über eine schlechte Auftragslage können die beiden nicht klagen, und deshalb müssen die eigenen Wünsche meist ganz hinten anstehen. Doch irgendwann ist auch ein Traum zu lange her, muss sich Peter gesagt haben und entschied sich kurzerhand sich sein Wunschbike zusammenzusetzen.

Die Wahl fiel auf eine Hammer-8-Ball. Der Einstiegscruiser von Victory bildet die perfekt Basis für Breitreifenumbauten, denn schon ab Werk füllt ein 250 Millimeter breiter Schlappen den Raum unterm Heckfender. Für Peter nicht genug, 300 sollten es schon sein. Und die passen auch ohne große Verän­derung in die Originalschwinge, ohne den Spreizer anzusetzen. Mit dem Umbau wird auch gleich das Heck entsorgt und durch eine GfK-Eigenkonstruktion ersetzt. Kurz und sportlich knackig, das ist es, was Peter vorschwebt. Um die Linie konsequent umzusetzen, montiert er zwei Stummel an die Gabelrohre und setzt die Fußrasten­anlage zurück. Schließlich soll keine Klappmesserhaltung den Fahrspaß einschränken …

Der 300er-Hinterreifen verlangt vollen Körpereinsatz

Jetzt stehe ich vor dem schneeweißen Geschoss mit Racingstreifen in den berühmten Martini-Farben und frage mich, wie ich meine langen Haxen zusammenfalten soll. Doch nach der ersten Sitzprobe sind alle Zweifel weggewischt. Der Oberkörper fällt wie von alleine nach vorn und findet Halt am kurzen Lenker. Das fühlt sich nach Supersportler an, nicht nach Cruiser. Unter mir erwacht der leicht modifizierte V2 und entfacht ein dumpfes Grollen durch die Penzl-Tüten, die Peter rechts und links vom Heck verlegt hat. Gang rein und ab auf die Straßen um Thannhausen.

Der Motor ist ein Gedicht, zieht ge­schmeidig und druckvoll aus dem Keller und hat wenig Mühe mit dem immerhin knapp über dreihundert Kilogramm schweren Bike. Nach wenigen Kilometern habe ich mich auch an die Sitzposition gewöhnt und komme immer besser mit dieser schizophrenen Mischung aus zwei Motorradkategorien zurecht. Einzig der 300er im Heck verlangt Nachdruck. Die Riesenpelle namens Cobra will in Kurven ganz weite Wege gehen und verlangt nach vollem Körpereinsatz. Hier muss gearbeitet werden, die 8-Ball-Racing fährt sich nicht von alleine. Aber auch das flutscht irgendwann und so wird aus anfänglichem Zaudern fetter Fahrspaß. Denn egal, wo ich durchrolle, die Menschen drehen die Köpfe. Das liegt nicht nur am Klang, Peters Sportcruiser ist einfach ein Hingucker. Einer, bei dem man zweimal hinschauen muss, um zu verstehen, was einem da gerade begegnet.

Die hochgezogene 2-in-2 Auspuffanlage untermalt die Brutalo-Optik des kurzen Hecks und rückt den Hinterreifen gnadenlos in den Fokus des Betrachters

Leider ist der Ausritt viel zu früh zu Ende und ich frage mich, ob sich Peter wohl von seinem Hobel trennen wird, wenn der Preis stimmt. Aber dann sehe ich wieder die Begeisterung für seine Kreation in seinen Augen und kann es mir nicht vorstellen. Besser er behält seinen Traum.
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