Neue Ape-Sporties

06.07.2018  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Harley-Davidson
Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties Neue Ape-Sporties
Neue Ape-Sporties
Alle Bilder »
Gerade noch rechtzeitig für die Fahrsaison 2018 hat Harley-Davidson im Sportster-Segment die zwei neuen Modelle „Iron 1200“ und „Forty-Eight Special“ nachgeschoben. Obwohl, so ganz neu sind die beiden Bikes nicht wirklich, aber sie stellen interessante Variationen zu bereits Bekanntem dar
Harley-Davidson hat sich in den letzten Jahren angewöhnt, mit schöner Regelmäßigkeit im Frühjahr noch ein oder zwei neue Modelle für die laufende Saison nachzuschieben. Im Spätherbst letzten Jahres wurde als Nachzügler noch die Softail Sport Glide präsentiert, und kürzlich konnten wir zwei neuen Varianten aus der Sportster-Familie auf den Zahn fühlen.

Killer-Argument: Die neue „große“ Iron ist gerade mal 330 Euro teurer als die 883
Iron 1200
„Hoher Lenker! Und die Technik schwarz machen, wo’s nur geht!“ Genau so müssen sich die Vorgaben angehört haben, die die Marketingleute den Designern in Milwaukee hinsichtlich der neuen Iron 1200 ins Lastenheft diktiert haben. Und die haben sich daran auch gehalten. Die Iron 1200 ist tatsächlich noch schwärzer geraten als die ohnehin schon ziemlich sinister gestylte Schwester Iron 883. Bei der Großen ist jetzt fast der gesamte Motor geschwärzt, lediglich die Stößelstangenhüllrohre und die Stößelblöcke bilden eine Ausnahme. Und bei den Rädern waren die „Bad-Ass“-Befürworter auch gnadenlos. Trägt die Iron 883 zur Felge hin noch hübsche Zierfräsungen an ihren Neun-Speichen-Gussrädern, wurde dieses Design-Goodie für die Iron 1200 gestrichen. Einfach schwarz. Schluss. Aus. Basta!

Konsequent in Richtung „Bad Ass“ sind natürlich auch die Lampenverkleidung und der halbhohe Apehanger gedacht. Beides soll wohl einen auf „Sons of Anarchy“ machen, aber so richtig furchteinflößend oder respektheischend will das bei der Iron 1200 nicht rüberkommen. Weniger wäre da durchaus ein bisschen mehr, zumal der Apehanger in Kombination mit dem im Vergleich zur Iron 883 dreißig Millimeter tieferen Sitz und den mittig angebrachten Fußrasten ergonomisch ab einer bestimmten Körpergröße (1,80 m plus) überhaupt nicht passen will. Der Tester hatte bei den Fotofahrten im dalmatischen Küstengebirge jedenfalls immer das Gefühl, seine Knie würden in etwa in „Ohrhöhe“ stehen. Dazu dieses tiefe Sitzen und hohe Greifen … nein, Leute, geht nicht! Deshalb gibt es für die völlig verquaste Sitzposition auf der Iron 1200 leider „Zéro points pour l’Amerique“.



Richtig einen rausgehauen haben die Designer allerdings mit den neuen Lackdesigns; die AMF-Zeit lässt grüßen. Es gibt die Iron 1200 in drei Farben (Vivid Black, Twisted Cherry und Billiard White) und ausnahmslos alle drei stehen dem Bike zusammen mit dem oldschooligen Streifendesign rund um den Markenschriftzug richtig gut. Würde es jetzt noch die (wieder einmal nur in schwarz lieferbare!) Lampenverkleidung jeweils passend im Farbton des Fahrzeugs geben, wir würden ein Fass aufmachen vor Begeisterung (oder jedenfalls ein Fässchen). Bleibt die Frage: Wer soll jetzt noch die 883 kaufen? Der 1200er-Motor ist der deutlich bessere, weil kräftigere und drehmomentstärkere Antrieb. Nur 330 Euro Preisdifferenz liegen zwischen den beiden Irons, da fällt es nicht schwer, eindeutig den Arm für „die Große“ zu heben, zumal die auch noch die hübschere Sitzbank (mit Rautenmuster) und das geilere Lackdesign bietet.

Forty-eight special  Die Forty-Eight ist das deutlich stimmigere Motorrad. Die Fußrasten sind dort, wo sie hingehören, lediglich den hohen Lenker braucht im Grunde kein Mensch, aber den hat man auch relativ schnell gewechselt

Forty-Eight Special
Sieht man die beiden Neuen zusammen auf einem Foto, ist der flüchtige Betrachter geneigt zu glauben, die wären ähnlich bis gleich. Das aber ist mitnichten der Fall. Die neue Forty-Eight Special besitzt lediglich auch einen schwarzen halbhohen Apehanger, wenn auch nicht ganz so hoch wie der der Iron 1200. Und das coole Lackdesign mit den Streifen auf dem Tank ist auch sehr ähnlich, wenn auch nicht ganz gleich. Das ist es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Die Forty-Eight Special hat einen anderen Gabelwinkel und einen Nachlaufwert, der sich mit 135 Millimetern drastisch von den 117 Millimetern der Iron 1200 unterscheidet. Zudem steht die „Special“ – wie ihre Normalo-Schwester – vorn und hinten auf stämmigen 16-zölligen Ballonreifen. Ihre Gabel wuchert mit 49 Millimeter kräftigen Standrohren, da kommen einem die 39 Millimeter an der Iron-Gabel vor wie dürre Stecken.

Auch ein Unterschied: Auf der Forty-Eight Special sitzt man mit 710 Millimetern noch einmal 25 Millimeter tiefer als auf der ohnehin schon recht tief positionierten Sitzbank der Iron 1200. Maßgeblich für den deutlich positiveren Fahreindruck aber ist die Tatsache, dass die Special vorverlegte Fußrasten hat. Draufhocken, Beine nach vorn, sieh mal einer an, geht doch. Das passt wie Deckel auf Topf! Was beweist, dass Ape und mittige Rasten sich gegenseitig ausschließen. Die Sitzposition auf der Forty-Eight Special ist stimmig, harmonisch und lässt keine Wünsche offen. So gehört das!

Lebendige Geschichte: Die Tank-Graphics an beiden Modellen zitieren gekonnt die Streifenmuster aus der berüchtigten AMF-Zeit

Da ist es fast egal, dass der Testfahrer gerne auf den „Tallboy“ genannten Apehanger verzichtet hätte. Braucht kein Mensch. Auch hier wären zehn Zentimeter weniger deutlich mehr. Die Fahrwertung geht aber dennoch ebenso deutlich an die Forty-Eight Special wie die Wertung Optik. Der wirklich gekonnt inszenierte Mix aus Chrom und Schwarz am Motor macht den Antrieb der „Special“ zum hübschesten Sportster-Aggregat der Neuzeit. Glückwunsch. Bloß in einem Punkt, in einem einzigen, patzt die „Special“ gegenüber der Iron 1200. Deren Sitz bietet nämlich durch seine bessere Konturierung nach hinten einen angenehmen Halt, während das viel zu flach gestaltete Brötchen der „Special“ fast gar keinen Abstützung für den Fahrerhintern bietet. Aber dieses Problem kann man mit einem Sitz aus dem Zubehör lösen. Bezeichnenderweise gibt es nämlich genau denjenigen guten Sitz, der auf der Iron 1200 serienmäßig verbaut ist, in Harleys Parts-and-Accessories-Programm auch für die Forty-Eight und ihre Variante „Special“. „Café Solo Sitz“ heißt das Teil und kann vom Freundlichen über die Ersatzteilnummer 52 000 260 geordert werden. Dann klappt’s auch mit dem Rückhalt.
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:18 November 2018 12:57:14/fahrtests/neue+ape-sporties_18629.html