Luxus Pur – Fahrbericht der 2018er Softail Deluxe

02.03.2018  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Carsten Heil
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Luxus Pur – Fahrbericht der 2018er Softail Deluxe
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Ich stehe gar nicht so arg auf überbordenden Chrom, aber die Deluxe hat es mir schon immer angetan. Und ab dem neuen Jahrgang kann sie sogar Schräglage
Anders als die über die Maßen gehypte Fat Boy – dem Terminator sei Dank – ist in meinen Augen die „Deluxe“ DIE Ikone des amerikanischen Motorradbaus aus Milwaukee. Würde man einen 10-jährigen motorradaffinen Jungen bitten, eine Harley-Davidson zu zeichnen, ziemlich sicher käme so etwas heraus wie die Deluxe. Und im neuen Jahrgang hat die Deluxe von der gänzlich neuen Konstruktion der Softails so viel profitiert wie kaum eine ihrer Schwestern.



Motor
Zu dem neuen Motor ist schon genügend geschrieben worden, auch von uns. Das Milwaukee-Eight-Aggregat spielt in einer völlig anderen Liga als der abgelöste Twin Cam 103, weniger was die Spitzenleistung angeht, aber im Hinblick auf seine Fahrbarkeit, das verfügbare Drehmoment und die enorme Elastizität. 145 Newtonmeter statt deren 126 bei einer vergleichsweise niedrigen Drehzahl von 3000 U/min, das spricht Bände. Aber Zahlen allein sagen nicht alles. Der Motor lässt sich mit sagenhaft niedrigen 1500 U/min im sechsten Gang bewegen, ohne zu ruckeln oder über den Sekundärtrieb zu zackern. Bei 1800 U/min fühlt er sich wohl, bei 2000 tritt er bereits spürbar an. Erleichternd hinzu kommt für den Vierventiler, dass auch die Deluxe von der allgemeinen Diät der Softails profitiert hat. Über 17 Kilogramm Gewichtsverlust am eigenen Leib würde sich sicher so mancher Fahrer freuen, der Autor dieser Zeilen an vorderster Stelle. So gesehen gibt es innerhalb der Big-Twin-Baureihen keine untermotorisierten Harleys mehr, lediglich die bevormundende elektronische Abregelung ab 175 km/h nervt, aber eher im Kopf. Denn ein gewisser Trost ist, dass selbst 175 Sachen auf der Deluxe nicht wirklich viel Spaß machen, weil der Winddruck auf dem unverkleideten Motorrad mit seinem breiten Lenker ab etwa 150 km/h zum krampfigen Festhalten gemahnt. Übrigens: Die Deluxe gehört zu denjenigen Softails, die es nur mit dem 107er-Motor gibt. Die Option auf den 114er besteht nicht. Sei’s drum, aus unserer Sicht genügt der 107er zum Cruisen vollauf.

Nur die Road King Classic und die Softail Deluxe tragen serienmäßig Weißwandreifen

Fahrwerk und Bremsen
Erfreulicherweise ist der Breitreifen-Wahnsinn, dem einige maßgebliche Harley-Entwickler erlegen sind, an der Deluxe vorbeigeschlittert. Vorn ein 130er (MT90), hinten ein 140er (MU85), mehr braucht’s nicht, um auf der kurvigen Hausstrecke oder im Mittelgebirge glücklich zu werden. Das Fahrwerk selbst ist, wie bei allen anderen neuen Softails auch, völlig neu konstruiert worden, auch die Gabel und deren Innereien sind neu. Erstaunlich ist, dass die Entwickler nur minimale Änderungen am Lenkkopfwinkel und dem Nachlauf vornahmen (vorher: 32°/147 mm, jetzt: 30°/145 mm). Die Rad-/Reifengröße und auch die Federwege vorn und hinten sind dagegen völlig identisch mit denen des Vorgängermodells.



Nicht identisch allerdings ist die Schräglagenfreiheit, denn die ist bei der neuen Deluxe um Welten besser geworden. Softails mit Trittbrettern und Kurvenfahren – das bedeutete bisher eine Kratzorgie um den kompletten Kurvenradius herum. Damit ist Schluss, mit der Deluxe lässt es sich nunmehr bei Bedarf sogar knackig angehen, auch wenn das programmatisch gesehen nicht der Sinn dieser Fahrzeuggattung ist. Auch sehr positiv: Der um zwei Grad steilere Lenkkopfwinkel und der um zwei Millimeter verkürzte Nachlauf tragen dazu bei, dass sich das Handling der neuen nochmals verbessert hat, wobei schon die „alte“ Deluxe sich ohne jeglichen Kraftaufwand sehr handlich und zielgenau fahren lässt. Die Bremsen, vorn und hinten je eine Scheibe mit Vierkolbensattel, haben leichtes Spiel mit dem abgespeckten Cruiser, wenngleich ich mir immer noch nicht so richtig erklären kann, warum die optisch gleich aussehenden Bremsen in den neuen Modellen spürbar besser funktionieren. Hat da vielleicht jemand ein bisschen mit den Reibpaarungen experimentiert? Aber uns kann’s egal sein, die Bremsen sind in allen neuen Softails durch die Bank besser als in den Vorgängern. Gut so.

Moderne LED-Beleuchtung an Front und Heck

Komfort und Ausstattung
Ich weiß nicht, ob man das als Europäer jetzt schmerzlich vermissen müsste, aber Fakt ist, die neue Deluxe hat keinen Tempomaten mehr. Zum Ausgleich trägt sie aber schön gestaltete LED-Lampen- und -Leuchten an Front und Heck. Lediglich die ausladenden Blinkerleisten sind wohl Geschmacksache, mit denen komme ich jedenfalls nicht zurecht. Das neu gestaltete Rundinstrument kann man selbst bei Sonne vernünftig ablesen und der Key Fob für Wegfahrsperre und Alarmanlage erleichtert den täglichen Umgang. Jetzt an allen neuen Softails: Ein gut erreichbarer USB-Anschluss im linken hinteren Lenkkopfbereich, an dem sich auch mal schnell das Smartphone oder andere Gerätschaften einstöpseln lassen. Dazu Unmengen an Chrom, megastylische Weißwandreifen auf verchromten Drahtspeichenrädern und auf Wunsch eine Zweifarbenlackierung. Cruiser-Herz, was willst du mehr!?



Fazit
Ein besseres Fahrwerk, ein superelastischer Motor, weniger Gesamtgewicht, deutlich mehr Schräglagenfreiheit … die neue Deluxe ist die beste, die es je gab. Hierbei profitiert der todschicke Cruiser vor allem von der Tatsache, dass die Entwickler die Hände von ihren Rädern und der Bereifung ließen. Die gemäßigten Reifenbreiten lassen in Tateinheit mit der jetzt endlich existierenden Schräglagenfreiheit einen Fahrspaß aufkommen, den man so bei Harley-Motorrädern noch nicht kannte. Die Bremsen machen alles mit, die Beleuchtung ist auf dem allerneuesten technischen Stand … worauf warten Sie eigentlich noch?
Motor
Typ: Milwaukee-Eight 107, 1745 ccm
Bohrung x Hub: 100,0 x 111,1 mm
Ventiltrieb: ohv-Vierventiler, Steuerung über Stößelstangen
Gemischaufbereitung: elektron. Kraftstoffeinspritzung, 55-mm-Saugrohr
Leistung (laut Hersteller): 87 PS bei 5020 U/min
Drehmoment (laut Hersteller): 145 Nm bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h (elektr. abgeregelt)
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Zahnriemen

Maße und Gewichte
Radstand: 1630 mm
Lenkkopfwinkel: 30°
Nachlauf: 145 mm
Räder vorn/hinten.: je 3,00 x 16" Drahtspeichenräder
Bereifung: vorn MT90 B16 Dunlop D402F, hinten MU85 B16 Dunlop D402 Weißwandreifen
Leergewicht (fahrfertig): 316 kg
Zuladung: 210 kg
Tankinhalt: 18,9 l (davon 3,8 l Reserve)
Sitzhöhe ohne Fahrer: 680 mm
Preis: ab 20.995 Euro zuzüglich Nebenkosten
 
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Stand:22 October 2018 10:57:45/fahrtests/luxus+pur+-+fahrbericht+der+2018er+softail+deluxe_18219.html