Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob

28.07.2011  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Volker Rost
Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob
Geschwisterkampf – Dyna Wide Glide vs. Dyna Sreet Bob
Alle Bilder »
Wir haben die beiden Dyna-Modelle „Wide Glide“ und „Street Bob“ verglichen und geben die Antwort auf die Frage, welche der beiden die bessere Harley ist
Jetzt werden sie wieder aufheulen wie von einem Stein getroffen, die stolzen Käufer und Besitzer desjenigen Modells, das bei diesen Vergleich schlechter aussieht. Nach jedem Vergleichstest bekommen wir Briefe oder E-Mails von Lesern, die es nicht verkraften können, wenn das Gefährt, welches sie sich in die Garage gestellt haben, nicht so gut  wegkommt als ein anderes. Doch so ist das nun mal: Das Bessere ist des Guten Feind … und in einem direkten Vergleich fallen einem schon mal Dinge auf, die, würde man die Fahrzeuge völlig isoliert voneinander testen, gar nicht so transparent würden.

Gleicher Motor, verschiedene Leistungsdaten

Steigt man aber auf der Landstraße nach intensiver Fahrt direkt von dem einen auf das andere Modell um, gibt es in der Regel eine Menge Aha-Effekte. Die andere Sitzposition, andere Lenkerhöhe und -breite, andere Fußrastenposition, der andere Radstand, andere Reifengrößen, andere Reifenbreiten – all diese Unterschiede in Tateinheit mit einem völlig anderen Lenkkopfwinkel und Nachlaufwert ergeben selbst zwischen diesen Dyna-Schwestern ein völlig anderes Fahrgefühl. Doch der Reihe nach:

Die mittige Rastenanlage an der Street Bob verhindert eine stimmige Sitzposition

Kapitel Motor
Dyna-Motor ist doch wohl Dyna-Motor, werden Sie jetzt vielleicht denken. Aber Fehlanzeige: Der Motor der Wide Glide ist nominell zwei PS stärker als der der Street Bob. Und auch beim Drehmoment hat die Wide Glide die Nase vorn: drei Newtonmeter mehr Drehmoment weist das technische Datenblatt aus. Diese Mehrleistung ist der anderen Auspuffanlage geschuldet. In der Fahrpraxis allerdings spürt man davon wenig bis nichts. Ob 76 oder 78 PS gedrückt werden, macht bei jeweiligen Leergewichten jenseits der sechs Zentner keinen großen Unterschied. Der Drehmoment-Peak, 126 Nm bei 3500 U/min bei der Wide Glide, 123 Nm bei 3125 U/min bei der Street Bob, geht in Ordnung, das Gefühl, Bäume ausreißen zu können, vermitteln aber beide Motoren nicht. Das Kapitel Motor geht deshalb unentschieden aus. Positiv: Beide Twin Cams schütteln im Leerlauf herrlich heftig im Rahmen hin und her, den Hintermann an der Ampel in den Rückspiegeln zu erkennen, ist schier unmöglich. Wir finden diese kernigen Lebensäußerungen der unbalancierten Harley-Motoren klasse – so soll es sein! Sobald bei Fahrt Drehzahl aufgenommen wird, verschwinden die „good vibrations“ durch das perfekt funktionierende Uniplanar-Aufhängungssystem fast vollkommen. Fahrerherz, was willst Du mehr!?

Street Bob: Viel Schrumpflack und gebürstetes Metall. Ihr Preis: ab 13.295 Euro. Mit Pearl-Lack wie gefahren: 13.530 Euro

Kapitel Sound
Der Sound ist bei V2-Motorrädern wichtig, neben der Leistungsentfaltung das zweitwichtigste Kriterium überhaupt. Und da hatte kurioserweise unsere Test-Street Bob weit die Nase vorn, die von der Papierform schwächere Maschine fühlte sich rein subjektiv aufgrund ihres deutlich kernigeren Klangs immer irgendwie kräftiger an. Ihr Ton war schön  bassiger, selbst das Ansauggeräusch der Street Bob klang gieriger. Die Doppeltöpfe der Wide Glide dagegen säuselten kleinlaut vor sich hin, auch die Ansaugseite hielt sich seltsamerweise zurück – so nichtssagend darf eine Harley eigentlich nicht klingen. Die Soundwertung dieses Vergleichs geht eindeutig an die Street Bob.

Schande: Kein Handhebel ist ergonomisch verstellbar
Kapitel Fahrwerk
Zwar gleichen sich die Rahmen in den Grundzügen, die Rolling-Chassis aber sind faktisch doch sehr verschieden; vor allem die lang gereckte und sichtbar flacher angestellte Gabel der Wide Glide sticht dem Betrachter sofort ins Auge. Bei den Federwegen herrscht Gleichstand, die Werte sind identisch. Neben der Länge und dem Lenkkopf- und Anstellwinkel der Gabel ist es vor allem die Bereifung, die die beiden Kontrahenten unterscheidet. Der Factory-Chopper Wide Glide rollt vorne auf einem riemenschmalen 21-Zöller und protzt hinten mit einem 180er Gummi. Die Bereifung der Street Bob ist da moderater. Gelenkt wird per 19-Zöller, für die Kraftübertragung muss ein 160er hinten reichen. Sympathische Werte, aufgrund derer der Street Bob ein leichtes, geschmeidiges Handling eigen sind. Da gibt es nix zu meckern, das Motorrad fährt sich locker flockig ums Eck, vom tatsächlichen Fahrzeuggewicht ist kaum was zu spüren. Die Wide Glide fährt sich anders. Den um 85 Millimeter längeren Radstand und die flacher angestellte Gabel merkt man beim Rangieren und Einlenken in Fahrt, der Fahrer muss schlichtweg einen Hauch mehr Impulse setzen. Das artet aber keinesfalls in Arbeit aus. Die 180 Millimeter Breite des Hinterrads fallen nicht ins Gewicht, über den 80 Millimeter schmalen Frontpneu lässt sich die „breite Gleiterin“ punkt- und zielgenau dirigieren. Im direkten Vergleich bietet die Wide Glide das sattere Fahrgefühl, auch ihr Geradeauslauf ist dank des größeren Radstands und des größeren Nachlaufs noch souveräner. Das Fahrwerks-Kapitel geht an die Wide Glide.

Wide Glide: Hochglanzlack und blitzende Komponenten: Ihr Preis: ab 14.795 Euro. Zweiton-Lack wie gefahren: 15.505 Euro
Kapitel Bremsen
Seltsam, seltsam! Obwohl an beiden Maschinen vollkommen identische  Bremsanlagen verbaut sind, bremste die Wide Glide deutlich besser. Es bleibt uns ein Rätsel, wie das sein kann, aber wir nehmen es zur Kenntnis. Komischerweise haben wir dieses Phänomen exakt so schon einmal bei Einzeltestfahrten dieser Modelle erlebt; auch da bremste die „Weite“ besser als der Straßen-Robert. Der Punkt geht an die Wide Glide.

Schöne Rücken, die entzücken. Doch Obacht: So sehr sich die beiden Dynas von hinten auch gleichen mögen, sie fahren sich dennoch grundverschieden
Kapitel Komfort, Sitzhaltung und Ausstattung   
Beide Bikes sind sehr puristisch ausgestattet, unnötiger Firlefanz fehlt gottlob. Bei beiden sitzt der Tacho auf dem Tank, bei beiden ist er schlecht ablesbar. Total schlecht: Die winzigen Kontrollleuchten befinden sich jeweils gänzlich außerhalb des Fahrerblickfeldes. Und bei beiden sind die Handgriffe nicht ergonomisch einstellbar, nicht einmal wenigstens der Bremshebel – ein absolutes Unding! Nervig ist auch, dass bei den klappbaren Fahrerrasten an einer Federbelastung gespart wurde. Tja, und dann die Nummer mit der Sitzhaltung: Steigt man von der Wide Glide um auf die Street Bob, kommt einem Sekundenbruchteile später unweigerlich ein blumig umschreibender Begriff in den Sinn – nämlich Kackstuhl. Die Sitzhaltung auf der Wide Glide geht voll okay, macht sogar Laune. Der Lenker hat die richtige Höhe und Breite und die Vorverlegten sitzen genau an der richtigen Stelle – relaxtes Chopper-Feeling stellt sich ein. Wahrscheinlich würden der Street Bob wegen ihres halbhohen Apehangers vorverlegte Rasten auch besser stehen, denn die Sitzposition mit den mittigen Rasten ist Panne, erst recht, weil die langgabelige Schwester das so viel besser kann. Der Punkt geht mit wehenden Fahnen an die Wide Glide.

Fazit
Eindeutiger kann ein Punktsieg nicht ausfallen. Die Wide Glide bietet das deutlich stimmigere Konzept, da stimmt einfach das Meiste. Und weil sie auch noch das viel coolere Gerät darstellt, ist sie ganz klar die bessere Harley, denn cooler Auftritt und Harley, das gehört ja irgendwie zusammen. Die Hand drauf: In der Lackierung Schwarz mit rotgelben Flammen ist das Teil am Szenetreff schlichtweg unschlagbar – Harley-spirit at it’s best …
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:18 November 2018 13:13:04/fahrtests/geschwisterkampf+-+dyna+wide+glide+vs+dyna+sreet+bob_18226.html