Fat Thunder – Gepimpte Fat Boy von CCE

28.09.2011  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Volker Rost
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Fat Thunder – Gepimpte Fat Boy von CCE
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Wie fährt sich die „Bolt-on-and-ride“–Fat Boy von Custom Chrome Europe? Wir haben das Promotion-Bike durch die Pfälzer Berge gedroschen
Custombikes wird gerne nachgesagt, sie wären kaum fahrbar und taugten allenfalls für den Kurztrip zum nächsten Café. Auch so genannte „Bolt-on Bikes“ genießen bei fundamentalistisch eingestellten Schraubern nicht den besten Ruf. Selten wird anerkannt, dass serienmäßige Bikes, die durch anschraubbare Teile modifiziert werden, durchaus zu fulminanten Custombikes mutieren können. Der Aftermarket-Spezialist Custom Chrome Europe hat Zehntausende solcher Bolt-on Parts in seinem Sortiment. Fast jeder Kundenwunsch kann erfüllt werden, um ein Serienbike in ein Unikat zu verwandeln. Im Falle des hier vorgestellten Promotion-Bikes übernahmen die erfahrenen Schrauber des H-D Vertragshändlers Thunderbike aus Hamminkeln die Aufgabe, eine serienmäßige H-D Fat Boy Special ausschließlich mit käuflich zu erwerbenden Teilen aus dem aktuellen Custom Chrome-Katalog in eine Dream-Machine zu verwandeln. Die Serien-Fat Boy wurde gestrippt, um mehr als 40 ihrer Originalteile beraubt und anschließend mit veredelten Parts wieder zusammengesetzt. Dennoch blieb ihr Charakter zumindest optisch erhalten. Ob sich dabei auch das Fahrverhalten verändert hat, wollten wir im Fahrversuch herausfinden.

Nie fuhr sich eine Fat Boy so leichtfüßig
Ein aufsetzender Primär sorgt für Adrenalin
Sitzen lässt es sich auf der „Fat Thunder“, wie sie nach dem Umbau heißt, sehr gut. Der Solositz ist straff gepolstert, die Sitzposition choppermäßig tief, was aber auch an dem Air Ride-System liegt, das sich ziemlich weit absenken lässt. Damit hat die Fat Boy im Stand zwar eine ultra-coole Optik, lässt sich aber aufgrund der viel zu geringen Bodenfreiheit nur noch zaghaft bewegen. Wir pumpten deshalb das Luftfahrwerk auf maximale Höhe. Trotzdem ist auch damit die Grenze der Bodenfreiheit schnell erreicht. In einer flott gefahrenen Linkskurve gab es einen ziemlich harten Schlag links unten, der uns das Adrenalin in die Adern schießen ließ. Beim anschließenden Stopp entdeckten wir die Ursache. Der Primärkasten hatte Bodenkontakt aufgenommen. Leider hatte uns die von Thunderbike montierte vorverlegte Rastenanlage vorher nicht gewarnt. Diese Rasten sitzen höher als die üblichen Trittbretter der Serie, und deshalb unterblieb das hässliche Kratzgeräusch, das die Trittbretter normalerweise von sich geben. Also hieß es ab sofort: Kurven schön brav anfahren.

Mit fast 40 Bolt On-Teilen gibt sich die „Fat Thunder“ als waschechtes Custombike. Wieviel verändert wird und wo auch preislich das Limit liegt, entscheidet der Kunde selbst. Die Teile-Auswahl  ist dafür fast unbegrenzt

Fahrspaß pur mit der richtigen Bereifung
Von der begrenzten Schräglagenfreiheit einmal angesehen erfreute die „Fat Thunder“ aber mit erstaunlicher Agilität. Mit dem weit zum Fahrer hin positionierten, breiten Buckhorn-Lenker bereitet es richtig Freude, das Bike in die Kurven zu zirkeln. Mit diesem Lenker ist die Ergonomie fast perfekt. Die Custom-Fat Boy nimmt einmal angepeilte Kurven dank der Metzeler-Bereifung, die zudem vorne mit 120/70-17 zwei Zentimeter schmäler ausfällt als die Serienbereifung von Dunlop, mit Leichtigkeit, ohne lästiges Abkippen zum Kurveninneren. Hinten durfte es dann einen Zentimeter breiter sein als die Serie, was aber fahrtechnisch nicht ins Gewicht fällt. Positiv machte sich auch das fehlende Aufstellmoment bemerkbar. Der fette Junge bleibt jederzeit sauber in der Spur.



Auf der Antriebsseite arbeitet ein alter Bekannter. Brabbelnd schiebt der Twin Cam 96B-Motor die über 320 Kilogramm Masse nach vorne, begleitet von einem schön dumpf blubbernden Sound aus der Zubehörauspuffanlage. So muss eine Harley klingen. Die Techniker von Thunderbike haben der Fat Boy zusätzlich einen neuen Luftfilter spendiert und in Verbindung mit einer Steuereinheit von Thundermax das komplette Motormanagement angepasst. Getriebe und Übersetzung wurden nicht geändert; die sechs Gänge schalten sich mit dem gewohnten Harley-Klonk sauber durch.
Tiefgreifende Änderungen dagegen bei der Bremsanlage. Vorne wie hinten arbeiten RevTech Bremszangen, die sich in neue CCE-Bremsscheiben verbeißen. Das sieht besser aus als das Serien-Equipment, eine bessere Verzögerung liefern die Teile  allerdings nicht. Ihr Ansprechverhalten ist hart und beim leichten Anbremsen fängt die vordere Scheibe an zu surren wie eine Horde wilder Wespen.

Lenkerklemmen im Schlagring-Design sorgen für brutale Optik
Digitales Mäusekino
Großes Kino ist das Kombi-Instument von Dakota, das den Serien-Tacho ersetzt. Eine blaue Digitalanzeige informiert nicht nur über Geschwindigkeit, sondern auch über Drehzahl und den gerade eingelegten Gang. Gut zu bedienen sind die Handarmaturen. Auch ohne die obligatorische Beschriftung der Serienschalter und Taster fanden wir uns gut zu recht. Als problematisch erweisen sich die Ness-Zubehörspiegel. Die sehen mit ihrer mattschwarzen Oberfläche zwar verdammt gut aus, die Sicht nach hinten tendiert aber gegen Null. Es fehlt einfach an Spiegelfläche und die Verstellmöglichkeiten sind ebenfalls sehr begrenzt. Aber damit kann man leben. Schließlich fährt sich dieses Bolt-on-Bike mit solch einer Gelassenheit, dass man nicht allzu oft den Blick in den Rückspiegel bemühen muss. Überhaupt erweist sich das Bike als rundweg alltagstauglich, große Touren oder Fahrten mit Sozius sind gar kein Problem.

Fazit
Selten hat und das Cruisen mit einer Fat Boy so verdammt viel Spaß gemacht. Bolt-on Bikes sind Custombikes. Durch die Änderung zahlreicher Parts bleiben vom serienmäßigen Zustand je nach Aufwand im besten Fall nur noch Rahmen, Motor und Getriebe unberührt. Wie weit und tiefgreifend die Mutation zum Custombike sein soll, entscheidet der Kunde selbst. Das kann von einem anderen Lenker bis hin zum Komplettumbau reichen. Preislich kann auch ein Bolt on-Bike echte Custombike-Dimensionen erreichen. In Falle der „Fat Thunder“ liefen problemlos 16.000 Euro Umbau- und Teilekosten auf – ohne Lackierung und Arbeitszeit wohlgemerkt. Zusammen mit dem Anschaffungspreis bewegt sich der Gesamtwert eines solchen Bikes dann schnell um die 40.000 Euro. Dafür hat der Kunde dann aber auch sein Traumbike, das gepaart ist mit der Zuverlässigkeit der werksseitigen Großserientechnik.
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Stand:18 November 2018 13:07:28/fahrtests/fat+thunder+-+gepimpte+fat+boy+von+cce_18221.html