Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special

04.05.2018  |  Text: Heinrich Christmann  |  
Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special
Doppelte Flottchen – Road Glide Special versus Street Glide Special
Alle Bilder »
Eigentlich sind die beiden Bikes technisch völlig identisch, wenn da nicht die unterschiedlichen Verkleidungen wären. Aber genau die haben es in sich
Unser gewohntes Betrachtungsschema mit den Kapiteln „Motor“, „Fahrwerk“, „Komfort und  Ausstattung“, „Bremsen“ und „Sound“ können wir bei diesem Vergleich getrost vergessen, denn in all diesen Kapiteln sind die beiden betrachteten Harley-Tourer vollkommen identisch. Und trotzdem fahren sie völlig anders. Dazu später mehr. Für all diejenigen Leser, die nicht so tief im Thema drinstecken, hier einige grundsätzliche Fakten. Verglichen werden Harleys Touring-Modelle „Street Glide Special“ und „Road Glide Special“ des Modelljahrgangs 2018. Wie oben erwähnt, besitzen beide das gleiche Fahrwerk, die gleichen Räder und den gleichen Motor. Beim Antriebsaggregat handelt es sich um den Milwaukee-Eight-Motor mit 107 Kubikinches, also 1745 Kubikzentimeter Hubraum. Laut Hersteller leistet der Motor 90 PS und drückt 150 Nm Drehmoment, Werte, die wir durch eigene Prüfstandsmessungen in etwa verifizieren konnten.

Die Fahrwerke lassen sich mit dem Nivomat von Wilbers deutlich verbessern

Im Gegensatz zu den Normalmodellen „Street Glide“ und „Road Glide“, die hinten auf einem 16-Zoll-Rad rollen, verfügen die „Special“-Varianten über ein 18-zölliges Hinterrad mit Niederquerschnittsbereifung. Das harmoniert zusammen mit dem 19-Zoll-Vorderrad so hervorragend, dass die Frage erlaubt sein muss, weswegen sich Harley überhaupt noch diesen Diversifizierungsluxus mit den unterschiedlichen Hinterrädern leistet; brauchen tut das nämlich kein Mensch. Bei trockenen Bedingungen sind die vom Werk aufgezogenen Dunlop D408 F (vorn) und D407 T (hinten) okay, aber sobald Nässe ins Spiel kommt, drehen diese Gummis beim Angasen durch wie auf Schmierseife. Eine Verbesserung, sowohl was den Nässe-Grip als auch das Handling angeht, bringt die Umrüstung auf den Avon Cobra, das haben wir an unserem ebenfalls bauidentischen Dauertester „Road King Special“ getestet.

Hier gut zu sehen: Die neun Kilo schwerere Sharknose-Verkleidung der Road Glide ist sehr hoch und weit weg vom Fahrer montiert

Heckstoßdämpfer zu kurz
Früher ein echter Schwachpunkt, hat Harley inzwischen mächtig zugelegt. Die heutigen Bremsen der Tourer arbeiten mit elektronischer Bremskraftverteilung und dieses System funktioniert wirklich ausgezeichnet. Vorbei die Zeiten, als man vor jeder Kreuzung froh sein konnte, dass man den Acht-Zentner-Eimer rechtzeitig zum Stehen gebracht hat. Als echten Unfug kann man bei beiden Modellen die lächerlichen 55 Millimeter Federweg am Heck bezeichnen. Die normalen Tourer haben 76 Millimeter. Das ist auch nicht üppig, aber immerhin 50 Prozent mehr Federweg. Die „Specials“ hat man aus fragwürdigen optischen Gründen hinten tiefergelegt. Auch hier können wir nur raten, 1.300 Euro zu investieren und sich bei Wilbers das sagenhaft toll funktionierende Nivomat-Fahrwerk einbauen zu lassen (siehe hierzu DREAM-MACHINES-Ausgabe 4/2017). Das ist Fahrwerksoptimierung mit Sinn und Verstand! So viel zu den Gemeinsamkeiten. Doch kommen wir nun zu den Unterschieden:



Die Street Glide Special verfügt über eine lenkerfeste Batwing-Verkleidung, das heißt, sie ist an der Gabel montiert und bewegt sich bei Lenkbewegungen mit. Bei der Road Glide ist das anders. Deren „Sharknose“ genannte Verkleidung ist rahmenfest verschraubt, was bedeutet, dass sie völlig entkoppelt von der Gabel ist und sich dementsprechend bei Lenkbewegungen auch nicht mitbewegt. Allein dieser Umstand ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, weil: Augen melden an Hirn, Gabel ist eingeschlagen, aber Verkleidung steht geradeaus. Komisch, das …!



Der zweite Knackpunkt ist, dass die rahmenfeste Verkleidung der Road Glide zwangsläufig weit nach vorn gebaut werden musste, um der Gabel und dem Lenker die Beweglichkeit zu gewährleisten. Beim Fahren hat man das Gefühl, dass diese Schrankwand von Verkleidung irgendwo da vorn thront, mit dem Fahrzeug aber wenig zu tun hat, weil viel zu weit weg. Auch das Gefühl fürs Vorderrad, der Bezug zum Vorderrad leidet. Aber es kommt noch dicker, denn der wesentlichste Knackpunkt ist, dass die Verkleidung der Road Glide auch noch satte neun Kilo mehr wiegt als die der Street Glide. Erschwerend kommt hinzu, dass sich dieses Mehrgewicht etwa in Brusthöhe des Fahrers und vor dem Lenkkopf befindet und somit unmittelbar für ein spürbar schlechteres Handling verantwortlich ist. Dieser schwere Klotz vorm Lenkkopf stellt sich bei jedem Einlenken in Schräglage auf stur und will genau so auch wieder herausgehievt werden aus jedem Eck. Auf Dauer nervt das und kostet auf längeren Touren in anspruchsvollem Geläuf richtig Kraft. Die Street Glide Special dagegen agiert fluffig wie ein Großroller und gewinnt diesen Praxistest der Verkleidungskonzepte deshalb haushoch. Übrigens: Etwas höhere Verkleidungsscheiben würden beiden Tourern gut tun.

Street Glide Special
Motor: Milwaukee-Eight 107
Bohrung x Hub: 100,0 x 111,1 mm
Hubraum: 1745 ccm
Ventiltrieb: ohv Vierventiler, Steuerung über Stößelstangen
Gemischaufbereitung: elektron. Kraftstoffeinspritzung, 55 mm Saugrohr
Leistung (lt. Hersteller): 90 PS bei 5450 U/min
Drehmoment (lt. Hersteller): 150 Nm bei 3250 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h (wegen Begrenzer)
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Zahnriemen
Radstand: 1625 mm
Gabelwinkel: 29°
Lenkkopfwinkel: 26°
Nachlauf: 173 mm
Bereifung: vorn 130/60 B19 D408 F, hinten 180/55 B18 D407 T
Leergewicht (fahrfertig): 379 kg
Zuladung: 238 kg
Tankinhalt: 22,7 l (davon 3,8 l Reserve)
Sitzhöhe ohne Fahrer: 690 mm
Preis: ab 27.395 Euro zuzüglich Nebenkosten


Road Glide Special
Motor: Milwaukee-Eight 107
Bohrung x Hub: 100,0 x 111,1 mm
Hubraum: 1745 ccm
Ventiltrieb: ohv Vierventiler, Steuerung über Stößelstangen
Gemischaufbereitung: elektron. Kraftstoffeinspritzung, 55 mm Saugrohr
Leistung (lt. Hersteller): 90 PS bei 5450 U/min
Drehmoment (lt. Hersteller): 150 Nm bei 3250 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h (wegen Begrenzer)
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Zahnriemen
Radstand: 1625 mm
Gabelwinkel: 29°
Lenkkopfwinkel: 26°
Nachlauf: 173 mm
Bereifung: vorn 130/60 B19 D408 F, hinten 180/55 B18 D407 T
Leergewicht (fahrfertig): 388 kg
Zuladung: 229 kg
Tankinhalt: 22,7 l (davon 3,8 l Reserve)
Sitzhöhe ohne Fahrer: 695 mm
Preis: ab 27.595 Euro zuzüglich Nebenkosten






 
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:19 July 2018 19:37:41/fahrtests/doppelte+flottchen+-+road+glide+special+versus+street+glide+special_18420.html