Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight

25.03.2011  |  Text: Dr. Heinrich Christmann  |   Bilder: Volker Rost, H. Christmann (2)
Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight
Bruder Leichtfuß – Alternativreifen-Test auf der Sportster Forty-Eight
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Harleys niedliche Forty-Eight will nicht so gerne ums Eck. Wir haben sie umbereift und fanden Erstaunliches heraus
7,7 Kilogramm – das ist ein Haufen Holz. Und nein, das wiegt nicht etwa das ganze gesamte Vorderrad inklusive der Felgen an der Forty-Eight, nein, nein … soviel wiegt allein der 16-Zoll-Reifen! Hinten wird’s noch schlimmer. Sage und schreibe 9,06 Kilogramm wiegt der hintere Reifen, ein schmales Bürschle von gerade mal 150 Millimetern Breite – da bleibt einem die Spucke weg. Etwas über neun Kilogramm wiegt normalerweise ein komplettes Paar (!) der weltweit gängigsten Reifengrößen 120/70ZR 17 und 180/55ZR17. Diese Werte machten uns neugierig; also kamen auch mehrere 17- und 19-zöllige Vorderreifen auf die geeichte Digital-Waage. 3,84 Kilogramm wog ein 19-Zöller Brigdestone BT 45, deren 4,02 ein Reifen der Marke Full Bore. Auch sportive 17-Zöller haben wir nachgemessen. 4,30 Kilogramm brachte ein 120/70ZR17-Vorderradpneu Conti Race Attack auf die Waage, ein Dunlop D208 RR in der gleichen Größe wiegt 4,36 Kilogramm. Der leichteste von uns gemessene Vorderradpneu war ein Dunlop Qualifier, er kratzte mit 4,04 Kilogramm ganz hart an der magische Marke mit der Drei vor dem Komma. Das muss man sich mal reintun: Der 17-Zöller Dunlop Qualifier wiegt annähernd nur halb so viel wie der 16-zöllige Dunlop D402F, der an der Forty-Eight verbaut ist.

Auch mit den Metzeler-Reifen wird aus der Sportster kein Supersportler. Fußrasten und Auspuff begrenzen die Schräglagenfreiheit schmerzlich

Und genau da liegt der Sturheits-Hase im Pfeffer. Das schweineschwere Vorderrad der Forty-Eight will nicht gerne einlenken; kein Wunder angesichts des horrenden Gewichts und der daraus resultierenden Kreiselkräfte. Aber nicht nur das Gewicht, sondern auch der Durchmesser des Reifens ist unmittelbar mitverantwortlich für die Rotationskräfte. Da hatten wir unser zweites Aha-Erlebnis. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Außendurchmesser des Ballon-16-Zöllers an der Forty-Eight nur knapp unter dem den 19-Zöllern liegt, die wir zum Vergleich herangezogen haben. Die weltweit gängigen 17-Zöller muten im Vergleich dazu schon fast schmächtig an.

Weißwandreifen stehen dem schmucken Bobber wirklich hervorragend. Der Hauptgewinn ist aber, dass die Sportster durch die Umbereifung ein um Welten besseres Fahrverhalten bekommt

Wir fassen zusammen: Die Forty-Eight kommt serienmäßig mit bleischweren Reifen in Tateinheit mit vergleichsweise großen Außendurchmessern! Wie bitte soll sowas freiwillig ums Eck wollen? Dazu kommt noch, dass die Reifenaufstandsfläche am OEM-Vorderrad ziemlich groß ist, was nicht gerade einen souveränen Geradeauslauf fördert. Und tatsächlich rührt die Forty-Eight ganz gerne bei Geradeausfahrt behäbig um die Hochachse, nicht dramatisch zwar, aber doch irgendwie nervig; ständig muss der Fahrer aktiv dafür sorgen, dass die Fuhre sauber gerade läuft.

Forty-Eight mit OEM-Bereifung Dunlop D402

Also haben wir andere Reifen ausprobiert. Metzeler hat stylische Weißwandreifen des Typs Marathon 880 in der erforderlichen Größe parat. Deren erstes Plus: Mit 6,82 Kilogramm ist der 880er-Metzeler-Vorderradpneu zwar auch nicht gerade ein Leichtgewicht, hat aber immerhin fast ein Kilogramm weniger auf den Rippen als der OEM-Dunlop; und bei Fliehkräften zählt schließlich jedes Gramm. Auch der Hinterradpneu konnte punkten. 8,6 Kilogramm im Vergleich zu den 9,06 Kilogramm des Dunlops sind ein Wort. Auf die Felgen aufgezogen, offenbarten die Metzeler-Pneus dann noch einen entscheidenden anderen Vorteil. Ihre Laufflächenkontur ist viel runder, der Vorderradreifen hat dadurch sichtbar weniger Aufstandsfläche bei Geradeausfahrt, was „straight ahead“-Bummeln viel angenehmer gestaltet.
Verkehrte Welt: Im Vordergrund ein 17-Zöller, in der Mitte der 16-zöllige OEM-Dunlop der Forty-Eight, ganz hinten ein 19-Zöller, der nur unwesentlich größer im Durchmesser ist als die Forty-Eight-Wuchtbrumme

Auch beim Einlenken fährt die kleine schicke Sporty jetzt auf einem völlig anderen Level. Das unwillige Einlenkverhalten ist wie weggeblasen. Und auch die unangenehme Eigenart der Dunlops, in Schräglage dann vehement nach innen wegkippen zu wollen, existiert plötzlich nicht mehr. Sorry Dunlop, aber mit den getesteten Metzeler ist alles besser als mit den serienmäßig montierten Reifen. Mit den Bayern-Puschen ist das Bike wie verwandelt; da fängt Forty-Eight fahren an, richtig großen Spaß zu machen! Und dann diese Optik. Zum Niederknien! Auf solch einen Retro-Bobber wie die Forty-Eight gehören Weißwandreifen. Wenn diese Schönlinge dann auch noch das Fahrverhalten dramatisch verbessern … Bikerherz, was willst Du mehr?
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Stand:18 November 2018 13:01:33/fahrtests/bruder+leichtfuss+-+test+alternativ-reifen+auf+der+sportster+forty-eight_18226.html