Neuheit: Indian FTR 1200

09.11.2018  |  Text: Dr. Heinrich Christmann  |   Bilder: Hersteller
Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200 Neuheit: Indian FTR 1200
Neuheit: Indian FTR 1200
Alle Bilder »
Indian lüftete jüngst auf der Intermot in Köln das Geheimnis um sein neues Modell FTR 1200
In früheren Zeiten gab es einen Marketingspruch, der lange seine Gültigkeit hatte: „Win on Sunday, sell on Monday“. Zum Teil verfängt der Slogan wohl heute noch, denn warum entschließen sich manche Hersteller, die sich, wie etwa Suzuki, über ein Jahrzehnt nicht am Werksrennsport beteiligt haben, wieder in den Grand-Prix-Zirkus zurückzukehren. Okay, im Falle von Indian ist die Sache etwas anders gelagert. Die altehrwürdige amerikanische Marke, die in ihrem ersten Dasein 1953 die Werkstore schließen musste, wurde erst 2013 vom Polaris-Konzern wieder zum Leben erweckt, gibt seither aber mächtig Gas. 2017 stieg man mit der neu entwickelten FTR 750 in die in den Staaten überaus populäre AMA-Flat-Track-Meisterschaft ein und bügelt seitdem die Konkurrenz ab, dass der das Hören und Sehen vergeht. Auch die diesjährige Saison ist schon in trockenen Tüchern, Werksfahrer Jared Mees holte zum zweiten Mal hintereinander in völlig überlegener Manier die Fahrermeisterschaft und sicherte dem Werk mit überragendem Punkteabstand die Herstellerwertung.



Auch für A2-Führerscheininhaber
Jetzt, denkt sich das Werk wohl, ist es Zeit, aus den Rennerfolgen Kapital zu schlagen, und das Motorradvolk pflichtet dem begeistert bei. Vor über einem Jahr baute Indian – quasi zum Anteasern – ein Custom-Modell mit Scout-Motor, das einschlug wie eine Bombe. Es gab keinen, der es sah und nicht ausgerufen hätte: „Geeeiiil, genau so bauen!“ Die Geschäftsleitung und das Marketing in Minnesota nickten erfreut, denn sie hatten schon grünes Licht gegeben für ein Serienmodell, die hier vorgestellte FTR 1200, die es gleich vom Verkaufsstart an technisch gesehen in zwei unterschiedlichen Ausstattungsvarianten geben wird. Die Basisversion mit dem Modellnamen FTR 1200 wird es zunächst nur in Schwarz geben. Sie besitzt zwar den gleich starken, nämlich 120 PS leistenden 60-Grad-V2, kommt aber ohne elektronische Assistenzsysteme und ohne die voll einstellbaren Federelemente. Zudem muss sich der Fahrer der Basisversion mit einem einfachen Rundtacho als Informationszentrale begnügen. Interessant für den deutschen Markt: Die Basisversion, und nur diese, kann man auch gedrosselt auf 95 PS ordern, somit sind A2-Führerscheininhaber mit im Spiel.

Wir denken allerdings, dass es die höherwertig positionierten „S“-Modelle sind, die sich hier verkaufen werden. FTR 1200 S heißt die Variante des optisch sehr charismatisch gestalteten Flat Trackers für die Straße, und diese Variante ist es, die, anders als die Basisversion, mit einem 4,3 Zoll großen Flatscreen, vorn wie hinten voll einstellbaren Fahrwerkskomponenten, drei verschiedenen Fahrmodi und einer Stabilitätskontrolle aufwartet.

Die Basisversion wird im nächsten Frühjahr etwa 14.500 Euro kosten

Der Motor
Allen FTR 1200 gemein ist der V2-Motor mit 60 Grad Zylinderwinkel, zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder. Das Aggregat ist flüssigkeitsgekühlt und verfügt über einen Hubraum von 1203 Kubikzentimetern. Wie schon erwähnt, gibt Indian die Leistung mit 120 PS bei 8250 U/min an, das Drehmoment soll 115 Newtonmeter bei 6000 U/min betragen, was für einen 1200er-Motor ein sehr ordentlicher Wert ist. Bisher gab es für das Motorrad noch keinen offiziellen Fahrtesttermin, aber die genannten Umdrehungszahlen machen deutlich, dass das Aggregat gedreht werden will. Wir dürfen gespannt sein, wie es sich im wichtigen unteren und mittleren Drehzahlbereich verhält. Exklusives Detail, das vielen Leuten schmecken wird, die auf Besonderes stehen: Die meisten Motordeckel bestehen aus Magnesium.

FTR 1200 S: Die „S“-Version erkennt man an dem farbigen Tank und an den goldenen Gabelbeinen. Ihre Federelemente sind voll einstellbar, der Fahrer kann zwischen drei Fahrmodi wählen. Das Instrument ist ein Touchscreen-Bildschirm

Die Fahrwerke
Beide Modellvarianten besitzen einen hübschen Gitterrohrrahmen, der den Motor, der als tragendes Teil fungiert, rechts und links flankiert. Vorn arbeitet in beiden Varianten eine Upside-down-Gabel mit Cartridge-System, hinten ein annähernd liegendes Monofederbein und eine Stahlrohrschwinge im Gitterrohrdesign. Wie bereits angesprochen, verfügt die Variante FTR 1200 S über ein voll einstellbares Fahrwerk. Sowohl bei der goldfarbenen Vorderradgabel wie auch dem Federbein mit Ausgleichsbehälter am Heck können Vorspannung sowie Dämpfung von Druck- und Zugstufe dem individuellen Fahrstil angepasst werden. Zudem kann der Fahrer zwischen den drei Fahrmodi Sport, Standard und Rain wählen. Eine schräglagenabhängige Stabilitäts-, Traktions- und Wheelie-Kontrolle wird zudem helfen können, die Maschine bei widrigen Verhältnissen besser unter Kontrolle zu halten. Ein attraktives optisches Schmankerl stellt die Tatsache dar, dass Dunlop extra für dieses Motorrad eine Reifenpaarung entwickelt hat, deren Profilbild dem des Flat-Track-Rennreifens wie ein Ei dem anderen gleicht. Wie sich das auf der Straße fährt, wird sich im Frühjahr zeigen, dann erst werden die FTR-1200-Modelle lieferbar sein. Die Reifen selbst sind vergleichsweise schmal gehalten. Vorn lenkt ein 120/70R19 die mit einem satten Radstand von 1524 Millimetern gar nicht so klein geratene Fuhre, hinten wird sich ein 150/80R18 bemühen, die 120 PS auf die Straße zu bringen. Die Federelemente sind mit vorn und hinten jeweils 150 Millimetern Weg nicht exzeptionell üppig, aber wohl ausreichend. Gebremst wird übrigens mit leckeren, radial angelenkten Brembo-Zangen, was will man mehr.

Ein bildschönes Biest, lediglich der Kennzeichenträger samt Blinkerstange gehört dringend geändert

Kommunikation, Farben, Preise
Wo heutzutage ein Touchscreen an Bord ist, ist natürlich auch Konnektivität im Spiel. Das Infotainmentsystem „Indian Ride Com-mand“, das bei den Topmodellen mit dem „S“ im Namen zur Serienausstattung gehört, erlaubt es, mobile Endgeräte wie Smartphones über Bluetooth oder USB-Schnellladeanschluss mit dem System zu verbinden und bequem über die individualisierbare Touch-Oberfläche zu bedienen. Und es sind auch nur diese „S“-Modelle, die es in mehreren gelungenen Sonderfarben gibt. Achtung hierbei: Nur das Modell „FTR 1200 S Race Replica“ kommt mit rotem Gitterrohrrahmen samt Schwinge und demjenigen Tankdesign, das auch der Werksrenner FTR 750 trägt. Die nachfolgend genannten Preise sind noch nicht verbindlich, wurden uns so aber von Indian-Personal als ziemlich genaue In-etwa-Preise genannt: Die Basisversion wird um die 14.500 Euro kosten, die normale „S“-Variante kommt auf etwa 15.500 Euro, für die Variante „S Race Replica“ mit rotem Rahmen und dreifarbigem Tankdesign sind 16.500 Euro fällig.

Fazit
Mit der FTR 1200 geht Indian neue Wege. Dieses attraktive Naked Bike ist in der Lage, neue Käuferschichten anzusprechen, für die das bisherige Indian-Portfolio aus Cruisern und Tourern nicht sonderlich interessant war. Die FTR 1200 ist in der Lage, im Teich der überaus beliebten und erfolgreichen BMW NineT oder Ducati Scrambler zu räubern, möglicherweise kann sie mit ihrer stark an der Rennmaschine orientierten Flat-Track-Optik sogar einen neuen Trend einläuten. Die Weichen sind gestellt, jetzt müssen wir nur noch abwarten, wie sich das Motorrad fährt. Dazu demnächst mehr in diesem Theater.
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:18 November 2018 13:11:46/extras/indian+ftr+1200_181031.html