Auf Teneriffa und La Gomera

06.07.2018  |  Text: Hélène Lundgren  |   Bilder: Binge Eliasson, Hélène Lundgren
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Auf Teneriffa und La Gomera
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Teneriffa ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für einen Abstecher nach La Gomera oder eine der anderen Kanaren-Inseln. Man kann das ganze Jahr über Motorrad fahren – wenn es an der Küste zu warm wird, flüchtet man einfach in die Berge. Dort erwarten einen Hunderte von Kurven, Bergdörfer und der Vulkan Teide, Spaniens höchster Berg
Mitten im Gewimmel aus Autos und Läden liegt im Örtchen Playa de las Américas die Harley-Vermietstation „Canary Islands Rides“. Bei Luca Toparini holen wir uns eine schöne schwarzweiße Softail Deluxe. Wir verlassen die Küste und begeben uns Richtung Santa Cruz. Der Weg windet sich durch die Berge und ein Stück vor Guimar stoppt unsere Gruppe bei einem kleinen Imbiss, der eine lokale Spezialität serviert, einen Ziegeneintopf mit zartem Fleisch. Bei Guimar biegen wir dann auf die TF-523 ab, die uns durch einen Nadelwald führt. „Ich liebe es, durch den Wald zu fahren und den Duft der Bäume zu riechen, aber zu manchen Jahreszeiten muss man ziemlich vorsichtig sein, denn Kiefernnadeln können den Asphalt sehr rutschig werden lassen“, sagt Luca Toparini.



Es ist ein unglaubliches Gefühl, über den Wolken zu fahren; über uns nur klarer Himmel. In der Ferne lassen sich die Inseln Gran Canaria und La Palma erkennen, was im Frühjahr ungewöhnlich ist. Langsam nähern wir uns dem Teide, dem dritthöchsten Vulkan der Welt und mit einer Höhe von 3718 Metern zudem Spaniens höchstgelegener Punkt. Hinter einer Kurve bekommen wir Blick auf die schönen Kliffformationen in Nuancen von Schwarz, Braun und Weiß. Die karge Natur oben um den Krater ist irgendwie majestätisch und ich kann mich nicht sattsehen an den erdigen Farben, die jetzt im Sonnenuntergang noch viel stärker hervortreten. Wir befinden uns hoch oben im Parque Nacional del Teide auf 2250 Metern Höhe. Die Temperaturen sinken rasch, sobald die Sonne weg ist. Im verbleibenden Licht bilden die Nadelbäume wunderschöne Silhouetten, dramatische Wolkenformationen bilden sich zwischen den Inseln La Gomera und El Hierro. Nach einer langen Fahrt und unzähligen Kurven kommen wir am Fuße des Berges Chio an und fahren zu unserem Hotel bei Playa Fanabé. „Diese Strecke war einst richtig schlecht zu befahren, doch vor eineinhalb Jahren wurde ganz neuer Asphalt gelegt“, erzählt Luca Toparini.

Hippies auf La Gomera
Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre nach La Gomera, die zweitkleinste Insel der Kanaren, und fahren direkt in die Berge, um von dort aus die Aussicht über Schluchten, das Meer, Palmen und Wälder genießen zu können. Wir touren weiter Richtung Valle Gran Rey, ein kleines, ruhiges Dorf, gelegen in einer Bucht mit schwarzem Sandstrand. Bereits seit den 70ern lockt es Hippies hierher. Am Strand verteilt ein Mädchen Weintrauben an alle, die welche haben möchten. Entlang des Wassers liegen Restaurants, ein Junge spielt Gitarre und dazu sitzt ein Paar auf der Mauer und hält Händchen.

Aussichtspunkt westlich der Kleinstadt Garachico

Die Sonne scheint und wir setzen uns in einem der Restaurants am Meer in den Schatten, um Mittag zu essen. Danach geht es auf einem sehr schmalen, steilen, kurvigen Weg, der nicht die beste Qualität hat, bergauf weiter zum Dorf Alojera. „Die Hinterbremse funktioniert nicht mehr!“, ruft mir plötzlich Binge Eliasson zu. Das hätte uns an keiner schlechteren Stelle passieren können! Wir fahren sachte weiter zu einem Museum, in dem Honig aus dem Baumsaft der Palmen der Insel hergestellt wird – einzigartig für La Gomera. Zurück auf einer der Hauptstraßen funktioniert die Bremse glücklicherweise wieder. Binge ruft dennoch seinen Freund Krister Carlsson an, der alles über Harleys weiß, um zu fragen, was da los war. „Ihr müsst viel öfter die Vorderbremse benutzen, wenn es so bergig ist; ansonsten wird die Hinterradbremse zu heiß, die Bremsflüssigkeit fängt an zu sieden“, erklärt er uns, „aber pausieren und abkühlen lassen hilft auch.“

Wir werden in dem kleinen Dorf Agulo, das auch als schönstes Dorf La Gomeras bekannt ist, übernachten und fahren in der Dämmerung auf dem Weg nach Vallehermoso weiter. Hier bietet uns die Strecke richtig guten Straßenbelag und schöne Kurven, die am Meer entlangführen. Das Dorf ist wirklich gemütlich und ich kann einem kleinen Nachtspaziergang durch die Gassen zwischen Bananenbäumen und kalkweißen Häusern, die die Abhänge hinauf stehen, nicht widerstehen. Am nächsten Tag scheint die Sonne und wir setzen unsere Tour um die Insel in Richtung des Ortes Hermiguia fort, der sich entlang der Berghänge erstreckt. Wir machen Halt bei Playa Santa Catalina, wo die Wellen auf den schwarzen Lavastrand hereinrollen. Ich will dem lokalen Folkmuseum des Dorfes einen Besuch abstatten und frage nach La Gomeras Pfeifsprache, el Silbo Gomero. Es stellt sich heraus, dass das Mädchen im Museum selbst el Silbo beherrscht. Diese Sprache ist entstanden, als Hirten und Bauern durch die Täler hindurch kommunizieren können mussten. Sie wäre fast ausgestorben, wurde dann jedoch am Anfang der 2000er Jahre wieder im Lehrplan der Schulen eingeführt und nun können alle Kinder und Jugendliche pfeifen. „Man kann alles mit Pfeifen ausdrücken. Zu Hause in meiner Familie rufen wir so beispielsweise zum Essen“, erzählt mir Vanessa Negrin Gonzáles und lässt ein paar Beispiele ertönen, wie gepfiffene Ausdrücke klingen.

In der Caldera des Teide fährt man auf über 2000 Metern Höhe. Vorsicht: Das Wetter kann schnell umschlagen

Nach Hermiguia biegen wir wieder auf eine Bergstraße und durchqueren den Parque Nacional de Garajonay, eines unserer Weltkulturerbe. Hier wächst ein dichter Lorbeerwald, die Strecke ist schattig und deshalb ein wenig feucht und moosig. Manchmal gibt es auch Steinschlag oder die Straße ist voll mit Baumzapfen. Es gilt also, vorsichtig zu fahren. Jenseits des Gipfels geht es auf der anderen Seite hinunter zum Küstenort Playa Santiago. Eine tolle Strecke, auf der man es auch mal ein bisschen krachen lassen kann. Bevor unsere Fähre zurück nach Teneriffa geht, haben wir noch Zeit für einen kleinen Spaziergang durch San Sebastian. Hier hat Christopher Columbus im Jahre 1492 den lebensnotwendigen Proviant eingeladen, bevor er auf seine Entdeckungsreise über den Atlantik ging.

Auf 2000 Metern wird es bitterkalt
Am folgenden Tag nehmen wir die Straße nach Santa Cruz, Teneriffas größter Stadt. Ein Stück weiter nördlich liegt San Andres, wo es gute Fischrestaurants geben soll. Oberhalb der kleinen Stadt hat man eine schöne Aussicht über den mehrere Kilometer langen Strand Playa de Las Teresitas, mit feinkörnigem weißem Sand und Palmen. Wir fahren hoch in die bewaldeten Berge bei Montes de Anaga. Von dem Gipfelkamm aus kann man beide Seiten der Küste gleichzeitig sehen. Unser Ziel sind die Surfstrände bei Ponta del Hildalgo. Dort finden wir das beste Fischrestaurant der Insel und es wird etwas spät. Als wir uns wieder hinauf in die Berge schrauben, vorbei an dem Ort La Orotava, wird es plötzlich herbstlich mit trockenem Laub auf dem Boden. Wir fahren weiter durch einen Wald, wo der Nebel wie ein Schleier zwischen den Bäumen tanzt. Mit untergegangener Sonne wird es jetzt sehr kalt und in einer Höhe von 2250 Metern haben wir Minusgrade. Im Dunkeln fahren wir weiter bergab. „Es wäre wohl besser gewesen, heute Morgen in die andere Richtung zu fahren und mit dem Teide zu beginnen“, meint Binge. Recht hat er, aber das nutzt uns jetzt wenig.

Die meisten Asphaltdecken auf Teneriffa sind in hervorragendem Zustand

Am nächsten Tag erwarten uns kräftige Regenschauer. Wir sind auf dem Weg nach Garachico, wo sich früher Teneriffas größter Hafen befand. 1706 wurde die ganze Stadt bei einem Vulkanausbruch zerstört und vom Rest der Insel abgeschnitten. Heute ist es die gemütlichste Stadt der Insel. Die hereinbrechenden Wellen hinterlassen kleine Pools in den Klippen, in denen man perfekt baden kann. Nach dem Mittagessen fahren wir weiter entlang der Küste auf der TF-436 nach Masca, wo die Mandelbäume blühen. Mit uns auf den steilen Wegen sind viele Touristen und Reisebusse unterwegs. Wir fahren weiter nach Vilaflor, eines von Spaniens höchstgelegenen Dörfern. Gerade die hinaufführende TF-21 ist sehr populär bei Teneriffas Bikern. „An den Wochenenden kommen viele der einheimischen jungen Kerle auf ihren Sportmaschinen hierher; dann versuche ich, die Strecke mit Besuchern zu vermeiden“, erzählt uns Luca Toparini.

La Gomera. Die Straße GM-1 führt hinunter zum Valle Gran Rey

Wir setzen unsere Tour durch Wälder, zwischen gelbgrünen Kiefern und bergab zum Motorradklub „4 Gatos“ fort, dessen Klubhaus in der Nähe des Flugplatzes in Santa Cruz liegt. Dies ist Lucas lokaler Bikerklub und heute Abend findet ein Rockabilly-Abend mit dem englischen DJ Nobby statt. Vor dem Klub stehen unzählige Maschinen und als wir ankommen ist die Stimmung auf ihrem Höhepunkt. „Das Klubhaus ist immer freitags geöffnet und Biker, die in der Gegend unterwegs sind, können sich gerne über unsere Facebook-Seite bei uns melden“, erzählt Luca. Wir drehen eine Runde durch den Klub und begrüßen die Mitglieder, auf der Tanzfläche geht die Post ab. Auch wir tanzen die halbe Nacht durch und verlassen den Klub erst sehr spät, aber mit einem Lächeln auf den Lippen.
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Stand:18 November 2018 12:46:49/extras/auf+teneriffa+und+la+gomera_18629.html