European Bike Week in Faak am See

21.11.2017  |  Text: Dr. Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Harley-Davidson
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European Bike Week in Faak am See
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Es war das 20. Harley-Treffen am Faaker See. Zeit für eine ganz besondere Betrachtung des Geschehens
Karen Davidson heißt wirklich so. Sie ist die Urenkelin von William A. Davidson und arbeitet für die Company als „Creative Director General Merchandise“. Als VIP ist Karen Davidson natürlich ein Star auf der zwanzigsten European Bike Week am Faaker See. Auf die Frage nach ihren Eindrücken wiederholt sie immer wieder das eine Wort: „Amazing!“



Klar, die Zahl der Harley-Fahrer, die diese European Bike Week am Faaker See jährlich ansteuern, geht in die Zehntausende, zusammen mit der Zahl der Schaulustigen überschreitet sie sogar die Hunderttausend. Es wäre vielleicht nur die Hälfte, wenn einzig Harley-Davidson die European Bike Week ausrichten würde. Im Lauf der Jahre sind jedoch zahllose weitere Gastgeber dazugekommen: Auf dem großen Gelände des Campingplatzes Arneitz residiert der Aftermarket-Großhändler Custom Chrome Europe. Es sind nicht nur dessen spektakuläre Bikes, die dem Serienhersteller Harley gelegentlich Schau und Publikum stehlen. Davor hat Polaris seine „Area 1“ eingerichtet, mit großvolumigen Big Twins von Indian und dem, was von Victory noch übrig geblieben ist. Und zwanzig Kilometer weiter, in Velden am Wörtersee, da wird es nochmal richtig geldschwer, denn im Casino von Velden präsentieren deutsche Bikebuilder wie Fred Kodlin und No Limit Custom ihre Fahrzeuge dem überwiegend goldbehangenen und solariumsgebräunten Publikum.



Frank Klumpp findet das nicht sonderlich „amazing“. Aber der Managing-Director von Harley-Davidson in Deutschland, Österreich und der Schweiz klagt auf hohem Niveau, wenn er zum Vergleich ein anschauliches Szenario schildert: „Man stelle sich mal vor: BMW richtet sein jährliches Treffen in Garmisch-Partenkirchen aus, und wir würden daneben auch noch ein paar Zelte aufstellen.“ Undenkbar. Aber im Fall von Harley-Davidson als Gastgeber ist das anders, denn Harley ist nichts ohne die riesige Custom- und Aftermarket-Szene, weshalb Frank versöhnlich nachschiebt: „Wir sind natürlich offen für unsere Marktbegleiter.“

Merkwürdigste Kostümierungen
Eine Fahrt rund um den Faaker See schließt mithin den Ring der Erkenntnis: Harley-Davidson und Customizing gehören zusammen. Die für die Bike Week als Einbahnstraße ausgewiesene Rundstrecke führt zu Harley-Davidson zurück, denn nur dort wird der gewaltige Milwaukee-Eight-Motor in der neuen Softail vorgestellt, ein Motor, der all das Tuning und Customizing an älteren Motoren nichtig macht. So ist die European Bike Week ein Geben und Nehmen, von dem alle was haben. Am meisten natürlich die Besucher, die ihre Harleys in einem endlosen, donnernden Korso rund um den See schieben. Vor dem Harley Village wird’s dann eng, und das Stop-and-go nervt die sonst so coolen Biker. Schweiß steht ihnen auf der Stirn, denn die Helmpflicht muss hier beachtet werden, wie auch das Tempolimit von manchmal nur 30 km/h. Beides überwacht die österreichische Polizei gnadenlos. Aber es ist ohnehin schwer, das Tempolimit in diesem Geschiebe zu überschreiten, denn kaum ist das Harley Village durchquert, folgt der Stau vor dem Arneitz-Gelände.

Um den See ist Tempo 30 angesagt, und die Polizei knipst fleißig

Eilig darf es hier niemand haben. Aber Harley-Fahrer haben es ja auch nicht eilig, ihnen geht es immer auch um das Gesehenwerden. Das zelebrieren sie nicht nur im harleytypischen Outfit, sondern auch mal in den merkwürdigsten Kostümierungen, womit sie es manchmal sogar schaffen, ihr Bild auch in die bürgerliche Presse zu bringen. Das gelingt ihnen vor allem am letzten Tag, wenn alle, oder doch die meisten Harley-Biker sich zur großen Parade formieren, die nicht nur rund um den Faaker See, sondern durch halb Kärnten führt. Harley-Fahrer, titelt dann die bürgerliche Presse, sind nicht böse, sondern lustige Typen, die Spaß und Geselligkeit lieben.



Jedoch, die Protagonisten dieser Szene werden älter und älter. Harley-Davidson versucht deshalb immer wieder, neue und jüngere Zielgruppen zu erschließen. So geschehen mit dem „Hooligan Flat Track“ an den ersten Tagen der European Bike Week. Basis für dieses Flat Track ist die wassergekühlte Street Rod mit ihren 750 Kubikzentimetern, eine bissige kleine Harley für die junge Generation, die nun für das Flat Track zur XG 750R modifiziert wurde.

Flat Track, auch für Laien
An der Premiere dieses kleinen Biests nahmen zwanzig ausgewählte Journalisten aus Europa und Japan teil. Unter ihnen auch der Autor dieser Zeilen, Kollege Ahlsdorf von der BIKERS NEWS, der seine vielbeschäftigten Kollegen von der Zeitschrift ROADSTER vertreten durfte. Flat Track hat eine große Tradition in den USA, ist aber eine in Deutschland kaum bekannte Disziplin, ausgetragen auf einem Oval von der Größe einer Leichtathletikbahn. Dafür hat die Company einen Acker umgegraben, den Boden planiert, verdichtet und schließlich gewässert. Nicht zu viel und nicht zu wenig, denn weder auf schlammigem noch auf staubigem Untergrund haften die Reifen.

KO-System gegen Ahlsdorf
Vertrauen weckt dieser Untergrund für Straßenfahrer nicht. Erst recht nicht bei Ahlsdorf, der Schräglagen überhaupt nicht mag und eher die schnelle Geradeausfahrt auf festem Asphalt bevorzugt. Im Interview mit den Kollegen der Filmproduktion „Biker Livestyle“ bemerkte er vor dem Rennen: „Auf losem Untergrund kann ich nicht fahren. Aber ich mach’s wie meine Rocker. Die können auch nicht fahren, aber ihr mangelndes Können ersetzen sie durch Furchtlosigkeit.“ Gesagt, getan. Schon am ersten Trainingstag versuchte Ahlsdorf einen skandinavischen Kollegen auf der Innenbahn zu überholen. Doch da wurde die Kurve zu eng. Bevor er den Skandinavier am Hinterrad touchierte, nahm er Gas weg, was die Maschine aufrichtete und ihn aus der Kurve schleuderte. Er verursachte damit den ersten und einzigen Sturz des Tages. Leider hat eine Flat-Track-Bahn zwei Kurven und der Fotograf stand an der falschen Seite, weshalb wir Ihnen, liebe Leser, davon keine Bilder zeigen können.

Die Profis ließen es mächtig stauben

Im Rennen am nächsten Tag schied er wegen des KO-Systems gleich im ersten Lauf gegen einen Offroad-Profi aus Spanien aus, denn viele der eingeladenen Zeitschriften schickten keine echten Journalisten, sondern Cross- und Supermoto-Profis ins Rennen. Erbärmlich, denn so bestand das Fahrerfeld aus einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. In der Klasse der schlechten Fahrer befand Ahlsdorf sich in guter Gesellschaft: Seine Kollegen von der norwegischen Zeitschrift „Biker Journalen“ fuhren ebenso zittrig wie er. Aber kein schlechtes Wort über die Nordmänner! Sie hatten die Anfahrt von Trondheim nach Faak komplett auf Harleys und Indians abgeritten, freilich nicht auf losem Untergrund, sondern echtem Asphalt. Mehr über das Rennen, seine Fahrer und über die Technik der umgestrickten Street-Bob-Bikes gibt es in unserer Schwesterzeitschrift ROADSTER Ausgabe 6/2017, die bereits seit Mitte Oktober am Kiosk liegt.
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Stand:16 August 2018 17:41:49/events/european+bike+week+in+kaak+am+see_171103.html