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Mikko Takala aus Finnland schloss einen Deal mit seinen Kumpeln Sami und Spöke ab: Seine beiden Buddys würden einen langen dunklen finnischen Winter damit verbringen, seine Early-Shovel umzubauen
Doch der Knackpunkt war: Mikko durfte sich in keiner Weise in den Umbauprozess einmischen, nicht mal Bilder durfte er sehen, und schon gar keine Fragen stellen über das, was die Jungs machten! Ziemlich harter Stoff! Als er das Motorrad dann nach der Fertigstellung zum ersten Mal sah, war er positiv geschockt – vor allem, weil es ein Replikat derjenigen Vordergabel trug, von der Mikko schon immer geträumt hatte: Die von dem legendären John Harman in den 1970er Jahren geschaffene Harman-Girder.

Doch der Reihe nach: Alles begann mit einer Flasche Koskenkorva, oder vielleicht zwei. Mikko Takala, 38 Jahre alt und von Beruf Fahrer eines Holztransporters, fuhr mit Kumpel Sami Järvelä zu einer Sommerparty. Er hatte Sami in einem finnischen Fährhafen kennengelernt, als Mikko gerade mit seiner neuen Street Glide von einer Italientour zurückkam. Sami und Spöke waren gerade auf dem Weg nach Süden, um eine ähnliche Reise zu machen, allerdings saßen die beiden auf Langgabel-Choppern mit alten Big-Twin-Motoren. „Als ich die Öfen der beiden sah, hat es bei mir klick gemacht. Konnten diese alten Böcke für lange Strecken so funktional sein wie meine Twin Cam? Ist am Ende weniger doch mehr …!? Jedenfalls war ich verknallt in die alten Dinger.“ Jedoch seine Street Glide in einen Chopper zu verwandeln, schien keine realistische Alternative zu sein. Aber Mikko besaß noch eine Harley, eine Early Shovel, die aufgrund technischer Probleme die meiste Zeit in seiner Garage rumstand. Und irgendwann landete Mikko in einer typisch finnischen Situation mit Sami – in einer Sauna mit viel Wodka und Bier.

Sieht aus wie eine Harman-Gabel, ist aber eine kongeniale Kopie einer solchen. Mikko ist das wurscht. Er wollte diese Art von Gabel an seinem Bike. Hat er jetzt …

Sami versprach Mikko, ihm mit seiner Shovel zu helfen. Zunächst war nur von einem Starrrahmen und einem neuen Benzin- und Öltank die Rede. Doch mit jedem Drink stieg der Ehrgeiz und schließlich wurde eine komplette Umgestaltung beschlossen. Im Vollsuff werden manchmal Sachen abgemacht, die in nüchternem Zustand niemals zustande kommen würden. Doch nicht in diesem Fall. Sami hat sich tatsächlich mit seinem Freund Spöke in Verbindung gesetzt, der ein großer Fan von Johnny Cash ist und das Personal-Jesus-Thema aufs Tablett brachte, was für Mikko in Ordnung war. Sami und Spöke sind seit ewiger Zeit beste Freunde. Sie selbst sagen von sich, sie seien Brüder, lediglich mit verschiedenen Eltern. Die beiden leben 300 Kilometer voneinander entfernt, treffen sich aber, so oft es geht und rufen sich auch jeden Tag an. Sami betreibt ein Klempnergeschäft, Spöke ist Kunst- und Handwerkslehrer. In ihrer Freizeit bauen sie Motorräder, nicht professionell, aber immerhin haben sie ihren Custom-Garagen schon Namen gegeben. Samis Workshop heißt „Sika-Garage“, Sika bedeutet auf Finnisch „Schwein“. Spökes Werkstatt heißt wegen der Ähnlichkeit zum Namen seiner Heimatstadt Lievestuore „Livingstone Choppers“.



Im letzten Herbst dann brachte Mikko seine Shovel zu Sami nach Rauma, einer 40000-Einwohner-Stadt an der Ostseeküste Finnlands. Dort bekam er die klare Ansage, dass er sein Bike erst wieder im April auf der Tampere Hot Rod & Rock Show wiedersehen würde. Dann begann für Mikko ein nervenaufreibender Winter. Die Jungs ließen keinen Mucks verlauten über das, was sie ausbrüteten. „Das wirst Du dann im April ja sehen”, war die lapidare Aussage. Und obwohl Mikko kein Mitspracherecht hatte, war bekannt, dass er unbedingt ein Harman-Frontend wollte, denn diese Gabeln werden wieder produziert. John Harmans damaliger Geschäftspartner Bill Holland gründete 2003 die Firma Executive Choppers, die seitdem die Gabeln wieder auflegt. Sami erzählt: „Wir haben Mikko einen Bären aufgebunden und ihm erzählt, wir würden seine DNA-Springergabel lieber anpassen. Aber in Wirklichkeit hatten wir bereits beschlossen, dass Spöke versuchen würde, ein Harman-Replikat zu bauen.“ Spöke fing also an, Blaupausen für das Frontend zu machen. Für die Federung wählte er ein Paar Federn aus einer Luftpistole, die perfekt zu den 28 Millimeter langen Gabelbeinen passen. Nach Fertigstellung schmückte er seine Gabelkreation stolz mit einer Plakette mit der Aufschrift „Spirder 001“, ein Wortspiel für „Spöke’s Girder“, und er schwor, dass er solch ein Ding nie wieder bauen würde. Aber dieser Schwur ist schon gebrochen, es wird mindestens eine weitere „Spirder“-Gabel geben.

Wie bei den Originalen von John Harman baute Spöke auch in seine Harman-Replika hinter der geschobenen Kurzschwinge einen minimalen Federweg ein

Spöke hat auch den Rahmen gebaut, und wie immer, wenn die beiden Freunde an einem Bike-Projekt arbeiten, übernahm Sami, sobald das Rolling Chassis fertig war. Sami ist der Blechmann, während Spöke für alles zuständig ist, was mit Drehen und Fräsen zu tun hat. Er zeichnet auch für das nette kleine Verwirrspiel verantwortlich, denn der vermeintliche SU-Vergaser ist gar keiner, sondern ein Keihin-Gleichdruckvergaser. Spöke hat dem Keihin durch ein selbst gedrehtes Oberteil lediglich das Aussehen einer SU-Gasfabrik verpasst. Auch die Zündung ist ein Einzelstück von Spöke, der eine Dyna-S-Zündung mit einem alten manuellen Verteiler kombiniert hat. Irgendwann war April und endlich konnte Mikko in Tampere zum ersten Mal einen Blick auf den neuen Chopper werfen. „Ich war hin und weg, das Bike ist so perfekt! Und dann auch noch mit Harman-Frontend. Sehr geil!“

Derzeit ist noch ein bisschen bürokratisches Zeug zu erledigen, um die legale Zulassung zu erlangen. Aber Mikko glaubt nicht, dass das ein Problem werden wird, denn das Bike ist von der Basis her aus dem Jahr 1967, also ein Oldtimer. Er fährt seinen persönlichen Jesus mit Kurzzeitkennzeichen so oft er kann und hat sogar seine Street Glide verkauft. Dazu Mikko: „Dieses Bike ist in jeder Hinsicht das bessere Gerät, warum sollte ein blöder Twin Cam in meiner Garage Staub ansetzen?“
Motor
Typ: orig. H-D Early Shovel, 1200 ccm                                                     
Vergaser: Keihin CV, mit SU-Dome-Fake von Livingstone Choppers
Zündung: Livingstone Choppers, elektronisch
Auspuff: Sika Garage

Getriebe
Typ: orig. H-D Viergang
Primärtrieb: 1,5"-Belt
Primärcover: Duo Glide
Kupplung: orig. H-D

Fahrwerk
Rahmen: Eigenbau Livingstone Choppers
Rake: 57°
Stretch: 6" upward, 2" forward
Gabel: Harman-Replikat von Livingstone Choppers, 26" verlängert         
Räder: vo. 3.00 x 21", hi. 4.00 x 18"
Reifen vo./hi.: Avon Speedmaster
Bremsen vo./hi.: Calles Chopperdelar                                                       

Accessories
Tank: Mustang
Öltank: Sika Garage
Fender: Sika Garage
Lenker: Livingstone Choppers
Handgriffe: K-Tech
Fußrasten: Daniel Boone
Sattel: Sika Garage Satula-Ilkka
Scheinwerfer: Taiwan Ted
Rücklicht: Flohmarkt
Lack: Keijo Erake

Kontakt
theshopmotorcycles@gmail.com

 
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