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Eine Low-Budget-Sportster 883 zu kaufen, um daraus ein aufwendiges Custombike auf Ironhead-Basis zu bauen, klingt grundsätzlich schon mal etwas merkwürdig. Doch letztendlich kam dann alles völlig anders
Der Schöpfer dieser klassischen Schönheit, Andrea, Spitzname „Satan“, ist in der italienischen Customszene seit Langem kein Unbekannter mehr. Als er mit dem Umbau einer Sportster 883 beauftragt wird, rechnet er zunächst mit einer schnellen Nummer, ohne größere Schwierigkeiten. „Das sollte anfangs ein ziemlich einfaches Projekt werden“, erklärt er, „inspiriert von klassischen Choppern, basiert der Stil vor allem auf klaren Linien und dem Weglassen aller überflüssigen Teile.“ Außerdem ist es bereits das dritte Motorrad seines Besitzers, genauer gesagt, die dritte Harley. Die ers­ten beiden, eine Fat Boy und eine Cross Bones, hat ebenfalls Satan umgebaut. Zwar ist das schon fünfzehn Jahre her, aber man kennt sich gut. Von vornherein stand fest, dass die 883 nicht original bleiben sollte. Die Idee des Kunden war ein ganz einfaches, sehr spartanisches Bike.

Rough and tough: Die groben 18-Zoll-Reifen kommen aus dem Trial-Sport

Als Satan das erzählt, muss er heute noch lachen und verdreht die Augen: „Mir war eigentlich klar, dass es dabei nicht bleiben würde.“ Und er sollte recht behalten. Schon während der ersten gemeinsamen Entwürfe, die lediglich vorsehen, den Antrieb der Sportster in einem Starrrahmen von Paughco unterzubringen, denkt Kunde Emanuele bereits darüber nach, die 883 wieder zu verkaufen. Und noch bevor der bestellte Rahmen aus den USA in der italienischen Werkstatt eintrifft, wird die 883 vom Hof gerollt und durch eine 1000er Ironhead aus dem Jahr 1985 ersetzt. „Also mussten wir uns plötzlich damit auseinandersetzen, wie wir die Aufhängungspunkte des Rahmens, der ja für eine 883 angefertigt worden war, an den Ironhead-Motor anpassen können.“ Die Diskussionen sind hitzig, der Aufwand größer als gedacht. Allerdings gefällt allen Beteiligten die Ästhetik aus altem Motor und neuem Starrrahmen so gut, dass ihr Besitzer grünes Licht gibt, das jungfräuliche Rohrwerk zugunsten des neuen Projekts zu zerschneiden und entsprechend abzuändern.

Raffiniert: Die Mini-Sissybar dient gleichzeitig als Fenderhalter

„Als ich nach all den Modifikationen den Motor zum ersten Mal im Paughco-Rahmen sah, schien die Kombination auf Anhieb wie geschaffen für den perfekten Chopper“, schwärmt Andrea. „Aber ich konnte mich beim besten Willen nicht mit meiner Idee einer langen Gabel durchsetzen. Mein Kunde wollte unbedingt die 35-Millimeter-Holme der originalen Gabel beibehalten, die wir am Ende sogar noch um zwei Zoll kürzten, um den unteren Rahmenzug parallel zum Boden zu bekommen. Na ja, und wie heißt es so schön? Der Kunde ist König.“

Blitzsauber: Kennzeichenhalter

Auch der originale Peanut-Tank der 1000er Ironhead wird weiterverwendet. Lediglich seine Halterungen werden überarbeitet. Die Räder, ursprünglich in 16 Zoll hinten und 19 Zoll vorn, werden jeweils auf 18-Zoll-Felgen umgespeicht und – die nächste spontane Idee des Eigners – mit Trial-Reifen bezogen. Das Bremssystem weicht neuen GMA-Doppelscheiben mit Zweikolben-Sätteln an der Front; hinten verzögert ein Einzelsattel und eine Bremsscheibe aus gleichem Hause. Während der kastenförmige Öltank komplett in Chrom erstrahlt, wird der überholte Ironhead, bis auf wenige Details, in glänzendem Schwarz lackiert, eine Farbe, die sich ebenfalls am klassischen Heckfender mit Mittelfinne wiederfindet. Objektiv betrachtet stellt die gesamte Lackierung des Motorrads kein handwerklich aufwendiges Meisterwerk dar. Da man aber äußerst selten auf einen elfenbeinfarbenen Rahmen stößt und der Tank in seiner psychedelischen Tracht wunderschön dazu passt, ist das Gesamtbild trotzdem sehr wirkungsvoll.

Psychedelische Lackierung aus den 70er Jahren, der halbhohe Z-Lenker passt dazu

Bei genauerer Betrachtung fallen außerdem die vielen kleinen Detaillösungen auf, die diesen Umbau erst zu dem machen, was er ist. So ist die Halterung des hinteren Kotflügels in Form einer kleinen Sissybar ausgeführt, die zugleich den minimalistischen Kettenschutz hält und gut zum seitlichen Kennzeichenträger passt. Die ungewöhnlichen Halter des kleinen Scheinwerfers ragen von der oberen Gabelbrücke herab. Der digitale Tacho und die Kontrollleuchten wurden in die Lenkerklemmung eingelassen. Am Z-Lenker, optisch sehr unauffällig untergebracht, entdecken wir statt der originalen Armaturen schwarze Taster und Lenkerendenblinker. Der wunderschöne, lederne Einzelsitz gewährleistet mit zwei kleinen hydraulischen Stoßdämpfern ein Minimum an Komfort. Zudem findet sich das Naturmaterial im Halteriemen der Batterie und dem ledernen Rahmenschutz wieder, der den Lichtmaschinenregler kaschiert. Weitere Überraschungen hielt Satans Kunde übrigens nicht für ihn bereit und er durfte das Motorrad ohne erneute Kursänderungen fertigstellen. Gerade rechtzeitig. Denn jetzt, wo die Tage wieder länger werden, ist das Bike bereit, auf die Straße zu kommen und jede Menge neidischer Blicke auf sich zu ziehen. Sie sind der verdiente Lohn für all die Hingabe und die unzähligen Arbeitsstunden auf dem Weg zum Pokalsieger.
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