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Es gibt sie noch: Eigenbau-Bikes mit fast hundertprozentigem „Homemade“-Anteil! Larry Moore aus Wichita baute seinen Boardtrack-Style-Racer mit gewöhnlichen Werkzeugen aus der heimischen Garage!
Am Anfang war der Bleistift! Heutzutage beginnen wohl die wenigsten Custombikegeschichten so, doch Larrys Bike fing genau mit diesen Werkzeugen an: Bleistift und Lineal. Er zeichnete seine Ideen im Maßstab 1:1 an die Werkstattwand, um einen übersichtlichen Eindruck der Maße des kompletten Bikes zu haben. Dann erst ging es an die Fertigung aller Eigenbau-Komponenten, die – wie alle Teile – in Wichita/Kansas gefertigt wurden, und die Vergabe der Überholungen von Motor und Getriebe. Letztere mal ausgenommen, besteht dieses Bike fast ausschließlich aus Eigenbauteilen, die es in dieser Zusammensetzung so noch nicht gegeben hat … „Ich habe schon immer die Motorräder im Boardtrack-Stil gemocht und wollte so etwas selbst auf die Räder stellen“, erklärt Erbauer Larry Moore in einer abgelegenen Garage in Ormond Beach, noch betäubt von seinen Erfolgen auf den Bikeshows in Daytona: In zwei Tagen hat er nicht nur die Klassensiege, sondern auch die „Best of Show“-Pokale der bekannten „Boardwalk“- wie auch der „Rat’s Hole“-Show gewonnen. Ein Doppel, das bisher noch nicht viele Customizer geschafft haben.

Nix von der Stange: Für Vorder- und Hinterrad konstruierte Larry eigene Federsysteme

Mit seiner „Controlled Kaos“ erfüllte sich Larry den Wunsch nach einem einzigartigen Custombike – und katapultierte zugleich seinen Namen in die oberste Liga der US-Customizer. Vom Design der Räder über die einzigartigen Federungen vorne und hinten bis hin zur Minimalelektrik, die die vorhandenen LEDs aus Batterien speist und den Motor von den beiden wuchtigen Morris-Magneten zünden lässt, alles ist auf Larrys Mist gewachsen und das Werk seiner Hände.

„Als Erstes habe ich die Motoraufhängungen gebaut und hielt sie an die 1:1-Zeichnung an der Wand“, erinnert er sich, dann kam der Rahmen an die Reihe. Verschiede­ne Freunde erhielten Aufträge, Komponenten des Bikes in Angriff zu nehmen, für die Larry die Maschinen fehlten: Der 1976er Shovel-Motor wurde komplett zerlegt, die Kurbelwelle ausgewuchtet, die Pleuel ausbalanciert und mit Wiseco-Kolben bestückt und die Köpfe für die Aufnahme von zwei Lectron-Flachschiebervergasern modifiziert. Gleich zwei Magnetzünder befeuern den Motor – und es gibt keinen wie auch immer gearteten Kabelbaum an diesem Motorrad. Batterien und Kabel sitzen in den Lampen …



Den wunderschönen Primärantrieb baute er aus einem Duplex-Serienantrieb. Larry verzichtete bewusst auf Bremsscheiben an den Rädern. Stattdessen montierte er eine kleiner gedrehte Scheibe auf die Getriebehauptwelle und bremst diese mit modifizierter Gokart Renntechnologie. Den Aluminiumtank begann er in groben Umrissen, übergab die Aufgabe dann aber an Ron Sisk. „Der Junge hat magische Hände“, schwärmt Larry. Die Zylinder sind vor allem auf der rechten Seite großzügig ausgespart, der Öltank ist ebenfalls im voluminösen Spritbehälter integriert. Larry konzentrierte sich mittlerweile auf die Radaufhängung, die vorne aus einer selbst entworfenen Springergabel mit verstellbarem Lenker besteht. Statt hinten nur einfach und simpel starr zu bauen, hängte Larry das hintere Fünfspeichenrad mit einer Überstrebung an eine Blattfeder; was zwar nicht für Dämpfung, aber immerhin für eine gewisse Federung sorgt. Wer bei den Rädern denkt: ‚Alles schon mal gesehen‘, sollte mal nach den Ventilen suchen: Die verstecken sich nämlich in … den Naben!

Larry Moore auf seinem Boardtrack-Style-Racer

Die Räder wurden gemäß eines Entwurfs von Larry von einer Fremdfirma CNC-gefräst. „Ich habe es nicht gezählt, wie viele Stunden in diesem Bike stecken, aber mehr als tausend sind es bestimmt“, berichtet Larry. Für die Straßenzulassung gibt es sogar schon einen Nummernschildhalter und auch ein Ständer ist schon in Arbeit. Doch das hat auch noch ein paar Tage Zeit, denn nach so viel Aufwand und Arbeit ist es jetzt erst einmal an der Zeit, Erfolge einzuheimsen. Denn in den USA heißt es fast an jedem Wochenende irgendwo: „It’s Showtime!“
 
MOTOR
Typ: orig. H-D Shovelhead, 74 cui, Bj. 1976
Kurbelgehäuse/-welle: Shovelhead, modifiziert 
Zylinder: Shovelhead, modifiziert
Kolben: Wiseco
Pleuel und Stößel: Shovelhead, modifiziert
Zylinderköpfe: Shovelhead, überarbeitet
Ventile: Titan
Nockenwelle: Shovelhead
Vergaser: 2 x Lectron Flachschiebervergaser
Zündung: 2 x Morris Magneto
Krümmer: Larry Moore

GETRIEBE
Typ: Serie H-D 4-Gang, überarbeitet
Schaltung: Jockeyshift
Primärantrieb: Larry Moore
Kupplung: Serie, modifiziert von Larry Moore

FAHRWERK
Rahmen: Larry Moore Einzelanfertigung
Lenkkopfwinkel: 29°
Schwinge: Larry Moore Blattfeder-System
Stoßdämpfer: Blattfeder
Gabel: Springergabel mit Einzelstoßdämpfer
Räder: vo./hi. 19” Larry Moore-Design, Ventile in der Nabe versteckt, mit 100/90-19 
Bremsen: Modifizierte Bremsscheibe auf Getriebe-Hauptwelle montiert
Bremszange: Gokart-Rennbremsen, modifiziert

ACCESSORIES
Tank: Aluminiumtank, handgefertigt von Ron Sisk
Öltank: integriert im Tank
Lenker und Fußrasten: Larry Moore
Fußrasten: Larry Moore
Fender: hi. Larry Moore
Lampe/Rücklicht: Larry Moore, LED auf Batterie

KONTAKT
moorecustomks@gmail.com
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