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Neuer Wein in alten Schläuchen – Retrobike aus Hamburg

02.05.2019  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Frank Luger
Die Custom Garage in Hamburg ging einen ganz eigenen Weg, um einen Hybriden mit altem Aussehen, aber moderner Technik zu schaffen
Momentan ist Old-School-Optik immer noch total angesagt. Doch die meisten Treiber solcher Öfen wollen weder ständig Öl unterm Moped wischen, noch andauernd sämtliche Schraubverbindungen kontrollieren, von technischen Pannen ganz zu schweigen. Doch uralte Technik ist nunmal anfällig, also braucht man einen Kompromiss: moderne Technik, alt verpackt.

Die Wucht in Dosen ist der herrliche originale „Buco Roaylite“-Koffer auf der linken Seite

Genau das hat Rüdiger Koch von der Custom Garage in Hamburg gemacht. „Ich wollte ein Motorrad mit optimaler Alltagstauglichkeit und sehr klassischer Optik.“ Also besorgte sich Rudi, wie Rüdiger von seinen Kumpeln gerufen wird, für den Antrieb einen geklonten Twin-Cam-Style-Motor von S&S. Der ist als Vergasermotor ausgelegt, genau so wollte das der Erbauer. Sowohl bei den Zylindern als auch den Köpfen drehte er außen die Kühlrippen runder, um einen authentischeren Old-School-Look zu erreichen. Die Köpfe bekamen neue Innereien, der Hubraum wurde auf 95 Kubikinch (1557 ccm) aufgestockt. Die Nockenwellen stammen vom kalifornischen Tuningteile-Spezialisten Leineweber, den riesigen gegossenen Ansaugstutzen fand Rudi in Japan. „Motorabstimmung und Nockenwellen sind auf Drehmoment ausgelegt, für viel Kraft im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Die Leistung liegt bei 89 PS am Hinterrad, aber das gewaltige Drehmoment ist das, was zählt!“, eine V2-Philosophie, die wir voll unterschreiben können. Die nötige Vintage-Optik bringen die Pan-Style-Rockerboxen.

Den exaltierten Ansaugkrümmmer besorgte sich Rudi in Japan

Beim Fahrgestell griff Rudi zum Rohrwerk einer originalen 1994er Harley-Davidson Evo-Softail. Das wurde natürlich nicht nur gecleant, es musste auch für den Einbau des Twin-Cam-Style-Motors umgebaut werden. Auch die Dreieckschwinge wurde geändert, weil ein 19-zölliges Hinterrad auf dem Umbauplan stand. Richtig viel Arbeit steckt im Frontend. Weil Rudi unbedingt das riesige 23-Zoll-Vorderrad samt der Simplex-Trommelbremse einer Honda XL einpassen wollte, musste die originale Gabel einer Sportster um zehn Zentimeter verlängert und gleichzeitig der Lenkkopfwinkel mittels modifizierter Gabelbrücken um vier Grad zurückgenommen werden. „Die Kombination aus Rake, Gabellänge und großem Vorderrad ist jetzt ideal für optimales Fahrverhalten“, freut sich der Customizer.

Mehr kann man einen Deckel nicht skelettieren

Der Tank stammt von einer englischen Triumph. Er wurde entsprechend auf den Harley-Rahmen angepasst und wegen authentischerer Race-Optik mit einer ledernen Kinnauflage geschmückt. Apropos Race-Optik: Rudi ist nicht nur begnadet stilsicher, er ist auch der „Herr der Erleichterungslöcher“. Felgen, Gabelcover, Primärdeckel, Fußrastenanlage und diversen weiteren Teile verpasste er zwecks Gewichtsreduzierung und Race-Optik Löcher. Den Vogel allerdings schoss er mit dem Seitenkoffer ab. Den originalen „Buco Royalite“-Koffer fand er nach langem Suchen in Schweden. „Ich habe nur einen gesucht, nur den linken, damit die rechte Seite des Bikes clean bleibt. Ein bisschen Luxus brauchen wir doch alle“, erklärt Rudi und schiebt schnell nach, „der Koffer ist übrigens in zwei Minuten zu demontieren.“ Ein tolles Motorrad, das Anfang Dezember in Bad Salzuflen nicht umsonst mit dem Pokal „Best Old School“ ausgezeichnet wurde; übrigens nicht der erste Pokal, den Rüdiger Koch alias Rudi dort in Empfang nehmen konnte.
Motor
Typ: Twin-Cam-Style, Lower End S&S
Zylinder: orig. H-D, aufgebohrt auf 95 cui
Zylinderköpfe: orig. H-D, Innereien von Branch    
Zylinderkopfdeckel: Pan-Style
Kolben: Wiseco
Ventile: Kippleweight
Rollenstößel: orig. H-D
Pushrod-Covers: orig. H-D
Nockenwellen: Leineweber
Kurbelgehäuse: Twin-Cam-Style S&S
Kurbelwelle: S&S
Pleuel: S&S
Zündung: orig. H-D
Luftfilter: Race
Vergaser: S&S Super G
Auspuffanlage: Custom Garage Hamburg

Getriebe
Typ: orig. H-D, Bj. 1999
Primärtrieb: orig. H-D
Sekundärtrieb: Rollenkette
Primärcover: modifiziert, erleichtert, gelocht
Kupplung: offen, erleichtert

Fahrwerk
Rahmen: orig. H-D Softail, Bj. 1994
Gabel: orig. H-D Sportster, 10 cm verlängert
Lenkkopfwinkel: 4° über Gabelbrücken verringert
Schwinge: orig. H-D, mod.
Federbeine: Fournales
Rad vo.: Honda XL, erleichtert, 23"
Rad hi.: 19", Felge erleichtert
Bereifung: vo. 3.00 x 23, hi. 4.00 x 19
Bremsen: vo. Trommel Honda, hi. Ritzelbremse Tolle

Accessories
Benzintank: Triumph, mit lederner Kinnablage
Öltank: orig. H-D
Fender: hi. Sportster-Frontfender
Lenker: Custom Garage Hamburg
Riser: W&W
Lenkergriffe und Handhebel: Custom Garage Hamburg
Lenkerschalter: Custom Garage Hamburg
Fußrastenanlage: Dyna Glide, modif. und erleichtert
Frontlampe und Rücklicht: Flohmarkt
Anzeigeinstrumente: motogadget
Sitz: Race Style
Specials: Buco-Royalite-Koffer für H-D Bj. 1949

Kontakt
Tel.: 0157-30635212

 
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Stand:22 May 2019 13:16:48/bike-portraits/neuer+wein+in+alten+schlaeuchen+-+retrobike+aus+hamburg_19416.html