Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus

10.02.2018  |  Text: hch, gma  |   Bilder: Volker Rost
Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus
Milwaukee Mile – FXR von Christoph Madaus
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Die Rennstrecke „Milwaukee Mile“, Namenspate von Christoph Madaus’ neuestem Custombike, ist das älteste Speedway-Oval der Welt
Die Basis für diesen Umbau besitzt Christoph bereits seit 29 Jahren. Es war seine erste Harley-Davidson. Er hat die FXR damals als Neufahrzeug gekauft, es war der preiswerteste Big Twin im Harley-Programm. Doch im Originalzustand blieb der Dyna-Vorgänger nicht lange. Nach nur 3930 Kilometern wurde die Maschine komplett zerlegt und umgebaut, mit neuer Lackierung und verchromten Teilen. Der Grundcharakter blieb aber erhalten – ein klassisches 90er-Jahre-Bike in Türkis. Ende 2013 zerlegte Christoph das Bike erneut, um etwas ganz anderes daraus zu entwickeln. Als Grundidee schwebte ihm ein Racer vor. Der eher ungeschlachte Rahmen eignet sich allerdings nicht allzu gut für ein Sportbike. Das nackte Rohrwerk ist nicht gerade attraktiv, das Rückgrat zu schräg, das Heck zu breit. Dieses Heck ließ sich partout nicht unter einer Sitzbank verstecken. Daher entschloss sich der hauptberufliche Designer, die Rahmenrohre bewusst zu zeigen. Ans Rahmenende wurden Elemente geschweißt, die die Kennzeichenhalterung und das Rücklicht aufnehmen. Dadurch bekamen die Rahmenrohre hinten einen definierten Abschluss.

Die Lampenmaske wurde als Freiform aus Aluminiumblech gedengelt

Um das Rahmenoberrohr optisch mehr in die Waagerechte zu bringen, wird es jetzt auf beiden Seiten von einem Blechstreifen flankiert. Positiver Zusatzeffekt: In dem da­durch entstandenen Hohlraum konnte die Elektrik untergebracht werden. Durch den Kniff, die Tankhälften zu teilen, konnte Christoph deren Einbaulage deutlich tiefer ansetzen, das macht die Silhouette des Motorrads viel gestreckter. Über das Oberrohr platzierte der Erbauer ganz feine, selbstgefertigte Designelemente. Christoph – ausgewiesener Ästhet – baute, quasi als Dashboard, eine Leichtmetallbrücke, auf der ein selbst gefertigter Tacho sitzt. „Ich wollte einen maximal flachen Tacho bauen, der über dem Rahmen schwebt. Die Elektronik dafür stammt aus einem MMB-Tacho. Im Tachogehäuse ist nur der Tachoantrieb untergebracht, der teilt sich den knappen Raum noch mit einer LED-Beleuchtung. Die Elektronik sitzt im Höcker der Sitzbank“, klärt uns der Selfmade-Customizer auf. Die alte Gabelbrücke von Storz war für ein sportliches Bike zu breit, daher wurde sie durch eine originale Harley-Davidson-Brücke ersetzt. Achtung, Trick 17: Die obere Gabelbrücke drehte der Kölner, damit sie noch flacher auf den Steuerkopf liegt. Die schmalere Gabel zog eine weitere Notwendigkeit nach sich. Die Radnaben mussten ebenfalls schmaler werden. Sie wurden kurzerhand von Christoph aus dem Vollen gedreht.



Dann ging es an die Karosserie. Die Verkleidungsteile hat der Erbauer alle selbst aus Aluminiumblech gehämmert. Für die Sitzbank hat er sich ein Modell gebaut, dieses zweiteilig abgegossen und so mit einem speziellen Harz zwei Klopfformen erhalten. Der vordere Kotflügel und die Lenkerverkleidung wurden als Freiform geklopft und danach mit einer Rollenstreckmaschine endbearbeitet. Alle Teile wie Gabel, Bremszangen, Pumpen und Räder wurden von Christoph komplett zerlegt und neu aufgebaut. Der Motor ist jetzt nicht mehr schwingungsisoliert in Gummi gelagert, sondern fest mit dem Rahmen verschraubt. Das generiert zwar stärkere Vibrationen, aber das Bike fährt spürbar stabiler. Auch konnten dadurch die beiden Tankhälften knapper über den Zylinderkopfdeckeln positioniert werden. Um ein völlig cleanes Rahmendreieck zu erhalten, wanderte der Öltank vor den Motor. Das schafft einen tieferen Schwerpunkt und bringt auch noch eine bessere Kühlung des Öls; zudem wandert so auch der optische Schwerpunkt nach unten und nach vorn. Der alte Batteriekasten wurde entfernt und durch ein integratives Bauteil ersetzt, das nun Batterie, Limaregler und Sitzbank aufnimmt.



Elemente wie die Verkleidung, die Finne auf dem Heck, die hinteren Blinkergehäuse, der Öltank und der Auspuffkonus sollen das Bike schon im Stand schnell machen und geben dem Motorrad eine dynamische Linie. Vor allem die aus dem Vollen gefräste Heckfinne erinnert an alte Rennfahrzeuge. Unter den kleinen seitlichen Flügeln an der hinteren Unterseite des Höckers ist ein selbst entwickelter Lauflichtblinker montiert. Die beiden Acrylglaskörper wurden von Christoph gefräst, in die Taschen wurden LEDs vergossen. Es sind 15 LEDs, ab LED Nummer 12 blinken die konventionellen Blinker mit. Das Zündschloss wurde in einem selbst hergestellten Aluteil an das Gehäuse des Starters montiert. Den Motor hat wie immer bei Christoph Madaus der Motorenmann seines Vertrauens, Bernd Kramer, überarbei­tet und auf Trab gebracht.

Den Bereich des Oberrohrs gestaltete der hauptberufliche Designer völlig um. Das flache Dashboard ist komplett Eigenbau, ebenso wie die Tachohaltebrücke und der besonders flache Rundtacho

„Abschließend sei angemerkt, dass kein Teil an dem Bike CNC-gefräst ist. Alles wurde von mir an konventionellen Maschinen in Verbindung mit klassischer Handwerksarbeit hergestellt. Durch den abgesenkten Schwerpunkt (tief liegender Öltank, tiefere Benzintanks, tiefer Lenker) lässt sich das Bike sehr viel leichter bewegen. Und den Excenter der Schwinge habe ich ganz nach unten gedreht, dadurch wurde der Nachlauf kürzer; das ergibt ein prima Handling“, so der kreative Macher Madaus. Wir meinen: Ganz großes Custom-Kino von einem Autodidakten, der sich seine handwerklichen Fähigkeiten über viele Jahre hinweg durch Learning-by-doing und den gelegentlichen Besuch von Spezialkursen angeeignet hat. Wir freuen uns jetzt schon auf sein nächs­tes Meisterwerk.
Basis: H-D FXR, Bj. 1986
Besitzer: Christoph Madaus (aka GMA)

Motor
Typ: orig. H-D Big Twin, Bj. 1986, 1340 ccm
Zylinderköpfe: S&S Super Stock
Kipphebel/Rollenstößel: S&S
Kolben: S&S
Ventile: S&S
Pushrod-Covers: Dippert
Nockenwelle: Crane 326-2B
Zündung: Crane Hi-4
Vergaser: original H-D Gleichdruckvergaser
Luftfiltergehäuse: K&N
Krümmer: Supertrapp
Endtopf: Supertrapp mit Eigenbau-Konus und KessTech Legalisierungs-Kit

Getriebe
Typ: original H-D Fünfgang; Bj.: 86
Sekundärtrieb: umgebaut auf Zahnriemen

Fahrwerk
Rahmen: original H-D, modifiziert
Gabel: Storz Ceriani mit original H-D Brücken
Schwinge: WIWO Alu
Federbeine: Wilbers
Rad vorn: WIWO-Scheibenrad 2.50 x 18” mit Akront-Felge
Rad hinten: WIWO-Scheibenrad 3.50 x 17”mit Akront-Felge
Bereifung: vorn 100/90-18; hinten: 140/80-17
Bremsen: vorn 2 x Performance Machine Floating Disc mit PM-Vierkolbenzangen; hinten Performance Machine Floating Disc mit PM-Vierkolbenzange

Accessories
Benzintank: Aftermarket, in 2 Teile getrennt
Öltank: GMA, Aluminium
Fender vorn/hinten: vorn GMA, Alu
Lenker: LSL
Lenkergriffe/Handhebel: Performance Machine
Lenkerschalter: GMA
Fußrastenanlage: original H-D
Frontlampe: Highsider LED
Anzeigeinstrumente: GMA mit MMB Elektronik
Rücklicht: Shinyo
Blinker vorn/hinten:     motogadget/Shinyo
Spiegel: Oberon
Sitzbasis/Höcker: GMA, Alu
Frontmaske: GMA, Alu
Kennzeichenhalterung: GMA



 
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Stand:19 July 2018 19:24:43/bike-portraits/milwaukee+mile_18209.html