Endzeit-Bob

02.03.2018  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Frank Luger
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Endzeit-Bob
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Damit keine Irritationen entstehen: Nein, mit diesem Bike will kein Mensch in schwerem Gelände herumwühlen, aber der Schritt mit den anderen Bereifungsgrößen geht in die völlig richtige Richtung
Sie fuhr die ganzen Jahre so schön, die Fat Bob, als sie noch eine Dyna war. Einst eines der fahraktivsten Motorräder von Harley-Davidson, wurde sie als Softail ein Opfer des Größenwahns. Weiß ja jeder, dass ein Motorrad unbedingt ein Vorderrad mit 150 Millimetern Breite tragen muss. Bloß, die Entwickler aller anderen Motorradmarken wissen davon nichts. Selbst schuld, sollen sie doch in ihrer Unwissenheit Bikes bauen, die handlich sind und wie von selbst ums Eck fahren. Doch das ist die Sache von Harley-Davidson nicht.
Wie das Original verfügt auch die Bielefelder Fat Bob über einen „Upsweep“-Auspuff, hier nur nochmals viel geiler
Nein, die Herren in Milwaukee verschlimmbessern lieber. Wahrscheinlich war denen die unkomplizierte Fahrbarkeit der alten Fat Bob unheimlich, oder gar ein Dorn im Auge. Jedenfalls haben sie ihre Absicht, destruktiv zu sein, konsequent umgesetzt. Die neue, zweifelsohne total spannend aussehende Softail Fat Bob ist ein stures Gerät geworden mit einem mehr als gewöhnungsbedürftigen Einlenkverhalten, das dem Fahrer viel Arbeit abverlangt. Genau so wie der Autor dieser Zeilen sehen das auch die Mitarbeiter vom Vertragshändler in Bielefeld. Deshalb haben sie der Fat Boy völlig andere Rad-Reifengrößen verordnet. Dazu Thomas Radojicic, Mastermind hinter dem Umbau: „Wir wollten ein Bike im Cross-Country-Stil bauen, mit dem man auch mal abseits der asphaltierten Straße fahren kann. Den Stil haben wir an die Endzeitfilme der Mad-Max-Reihe angelehnt. Der Vintage-Lack im Used-Look unterstreicht die technischen Modifikationen.“

Vorn 19 Zoll, hinten deren 18, so kann das was werden mit unbeschwertem Handling
Fürs Fahrverhalten wichtigste Änderung ist eindeutig der Wechsel auf sinnvollere Radgrößen. Das Vorderrad besitzt jetzt einen Felgendurchmesser von 19 Zoll, auf den die handlichkeitsfördernde Bereifung in der Größe 120/70-19 aufgezogen ist. Hinten tut es die Weltgröße 180/55-17. Die Räder selbst hat TTS hergestellt. Für das Vorderrad nutzte man die originale Nabe einer Road King, die Speichen und die Felge stammen aus eigenem Haus. Hinten setzten die Räderbauer auf die Nabe einer Slim, denn benutzt man als Nabe das Großserienbauteil eines Fahrzeugherstellers, ist der TÜV milde gestimmt. Speichennippel aus Messing bilden einen schönen optischen Kontrast zu den ansonsten schwarz gehaltenen Rädern. Den martialischen Frontfender, in Geländemanier an der unteren Gabelbrücke montiert, bauten die Bielefelder Harleyaner ebenso in Eigenregie wie die Krümmer der Auspuffanlage, die in einem keck nach oben gerichteten kurzen Topf von Shark endet. Der originale Heckfender wurde unter den Struts gekappt und bei der Gelegenheit mit einem selbst gebauten, mittig platzierten Kennzeichenträger bestückt, der den originalen, an der Schwinge montierten „Bügel des Elends“ überflüssig macht.
Auf die Räder passen auch Reifen mit Asphalttauglichem Profil
Auch an der Front griffen die Bielefelder ein und steckten den ohnehin schon ziemlich exaltiert aussehenden originalen Flachbalken-Scheinwerfer noch zusätzlich hinter martialische Gitter. Ergänzt wird das Optikpaket von selbst gefertigten Gabelprotektoren, Handschützern von SW-Motech und einer flacheren und hübscher bezogenen Sitzbank. Und weil die Macher aus der Stadt, die angeblich gar nicht existiert, an ihrer Gelände-Bob verständlicherweise die serienmäßig montierten Vorverlegten gegen mittiger platzierte Rasten ersetzen wollten, bedienten sie sich geschickt aus dem großen Baukastensystem der Softail-Familie und schraubten die Komponenten der Schwester „Street Bob“ an. Leichter gesagt als getan, denn auch auf der Primärseite musste das Cover der Street Bob dran, was wegen des internen Schaltgestänges Umbauten im Innern notwendig machte.
Was doch alleine schon die Handschützer von SW-Motech optisch ausmachen!

Noch ein Hinweis an interessierte Endverbraucher: Selbstredend ist es auch möglich, die grobstolligen TKC-80-Schluffen gegen Reifen mit gemäßigterem Straßenprofil zu tauschen. Brät ja schließlich nicht jeder andauernd mit irrem Blick in der Wüste hinter Mel Gibson her, um dessen kilometerlange Staubfahne zu fressen.
Basis: Fat Bob 114; Modelljahr 2018

Motor
Typ: orig. Milwaukee-Eight, 114 cui (1868 ccm)
Krümmer: Eigenbau H-D Bielefeld
Endtopf: Shark
Leistung (laut Hersteller): 94 PS

Getriebe
Typ: orig. H-D Sechsgang, Modelljahr 2018
Primärcover: original H-D Softail Street Bob  

Fahrwerk
Rahmen: original H-D Softail, Modelljahr 2018
Gabel: original H-D Upside-Down
Gabelprotektoren: Eigenbau H-D Bielefeld
Schwinge: original H-D
Federbein: original H-D Monofederbein
Rad vo.: TTS 3,00 x 19“
Rad hi.: TTS 4,50 x 17“
Naben: orig. H-D
Bereifung: vorn Conti TKC-80 120/70-19; hinten TKC-80 180/55-17
Bremsen vorn/hinten: original H-D                              

Accessories
Benzintank: original H-D
Fender vorn: Eigenbau H-D Bielefeld,
Fender hinten: original H-D modif. H-D Bielefeld
Lenker und Riser: original H-D
Lenkergriffe/Handhebel: original H-D, Handhebel modif. H-D Bielefeld
Rastenanlage: original, modif. auf Softail Street Bob
Frontlampe: original H-D, modif. mit Gitter
Rücklicht: All-in-One von Highsider
Blinker: vorn in SW-Motech-Handprotektoren
Sitz: Basis orig. H-D, umgearbeitet und bezogen von Firma Thurow
Verkleidung: Eigenbau H-D Bielefeld
Kennzeichenträger: mittig, Eigenbau H-D Bielefeld
Lackierung: AHA Design Bielefeld

Kontakt
www.hd-bielefeld.de
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Stand:22 October 2018 09:47:49/bike-portraits/endzeit-bob_18219.html