Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida

06.02.2018  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Heinrich Christmann
Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida
Daily-Driver-Flattie – Flathead aus Florida
Alle Bilder »
Flatheads sind uralt, haben eine obsolete, gebrechliche Technik und sind deshalb nur für kurze Strecken gut! Nun, Peter Barrucci würde an dieser Stelle laut „Quatsch“ rufen. Er fährt die hier gezeigte ULH fast täglich und benutzt sie auch für längere Strecken
Peters Zweiradkarriere begann schon mit zwölf – damals auf Papas Honda. Mit sechzehn stieg er auf eine Norton um, mit der er aber irgendwann einen heftigen Abflug hatte, was ihn schließlich zur Marke Harley-Davidson trieb. Mangels Geld schraubte er von Anfang an selbst an seinen Bikes. Als junger Kerl machte er eine Mechanikerlehre in einer Alu-Gießerei. „Dort habe ich unheimlich viel gelernt. Als ich dort wegging, hatte ich hinsichtlich Metallbearbeitung viel drauf.“ Was in Peters Vita folgte, waren zwanzig Jahre Schraubertätigkeit bei verschiedenen Harley-Davidson-Vertragshändlern und danach noch weitere sieben Jahre an den Hebebühnen verschiedener Customizing-Shops.

Auch uralte Flatheads lassen sich problemlos als Dailydriver nutzen

Und natürlich schraubte er in seiner Freizeit auch zu Hause. „Meine 1939er ULH hier ist die dritte Flathead, die ich in den vergangenen acht Jahren gebaut habe. Alle habe ich aus dem Zeug zusammengebaut, das ich so herumliegen hatte. Kein größeres Problem, denn ich besaß über die Jahre hinweg an die 70 Harleys, da sammeln sich zwangsläufig eine Menge Brocken an“, plauscht der oberrelaxte Peter. „Ich hatte zu Beginn dieses Projekts auch keine spezielle Idee, ich habe die ULH zum großen Teil aus dem gebaut, was ich so da hatte. Natürlich musste ich auch einiges zukaufen.“ Das glauben wir, denn allein die Zutaten des Motorinneren klingen wie das Who-is-who des Aftermarkets: Andrews, JIMS, Eastern, Black Diamond, alles Namen mit gutem Klang. Auch in dem originalen 1939er Getriebegehäuse geht es vornehm zu: Sämtliche Zahnräder und Wellen sind NOS-Parts, was in diesem Fall nichts mit Lachgas zu tun hat, sondern mit „New Old Stock“ übersetzt wird, neue Originalteile also, die als Ersatzteil hergestellt uns ins Regal gelegt wurden und bis dahin nie verbaut waren. Da nimmt es nicht wunder, dass das Bike seinen Erbauer bis zur Fertigstellung inklusive Lack dann doch um die 12.000 Bucks gekostet hat.



Der Rahmen ist übrigens ein originaler Panhead-Rahmen aus dem Jahr 1955. Hinterm Steuerkopf musste Peter allerdings bei diesem Exemplar ordentlich Hand anlegen, denn ein chopperverliebter Vorbesitzer hatte es mit einem ultraflachen Rake mächtig übertrieben. Ebenso wie der Rahmen ist auch die Springergabel keine Replika, wie die eingegossenen Fabrikations­ziffern auf dem Quersteg des vorderen Gabelteils beweisen. Der kleine Tank stammt von einer 125 ccm großen Harley-Davidson „Hummer“, die Kupplung aus einer 1941 UH. Lediglich bei der Beleuchtung bediente sich Peter aus einem ganz anderen Genre. Die messingfarbene Frontlampe tat ehedem an einem Auto von Studebaker Dienst, und die beiden auffälligen Rückleuchten mit ihren tropfenförmigen Gehäusen waren exakt so serienmäßig an den 1939er Chevrolets des Typs „Master Deluxe“ montiert.



„Ich baue derzeit gerade eine Panhead. Vielleicht kannst du die dann ja nächstes Jahr fotografieren“, sprach’s, wuchtete mit einem Tritt den 1311 Kubik großen Seitenventiler an, trat auf die Kupplung, legte mit dem Handshifter den ersten Gang ein und entschwand freundlich winkend und knatternd von dannen.
Motor
Typ: original H-D ULH Flathead, original 80 cui (1311 ccm)
Baujahr: 1939                                                      
Kolben: Eastern
Kurbelwelle: JIMS
Ventile: Black Diamond
Nockenwellen: Andrews
Luftfilter: K&N
Zündung: original mit Unterbrecher
Auspuff: Peter Barrucci

Getriebe
Typ: original H-D-Gehäuse, Bj. 1939, handgeschaltet
Innereien: Andrews und New-Old-Stock-Parts
Kupplung: 1941 Flathead
Sekundär: Rollenkette

Fahrwerk
Rahmen: original H-D Panhead, Bj. 1955, hinterm Steuerkopf modifiziert
Rake: vormaliges starkes Rake „deRaked“
Gabel: original H-D Springer             
Räder: vorn und hinten Speichenräder mit „Star“-Naben, vorn 19”, hinten 16”
Bremse: original H-D, restauriert Peter Barrucci                                                      

Accessories
Tank: original H-D Hummer
Öltank: HorseShoe
Fender: original H-D, modif.
Lenker: Aftermarket
Riser: Flanders
Handhebel: F. Brake
Scheinwerfer: Studebaker
Rücklichter: 1939er Chevrolet Master Deluxe
  Teilen
Topseller im Shop
Stand:19 July 2018 19:25:55/bike-portraits/daily-driver-flattie+-+flathead+aus+florida_18205.html