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Äpfel mit Birnen zu vergleichen, ist sprichwörtlich Unsinn. Genauso wenig kann man diese beiden Serien-Harleys miteinander vergleichen. Die V-Rod „Muscle“ ist die stärkste, die Sportster„XR 1200 X“ die fahraktivste Harley. Was eint dieses Duo, wo liegen die Unterschiede?
Nun, die Merkmale, die diese beiden so unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte gemeinsam haben, sind schnell aufgezählt. Da ist zum einen der Hersteller. Der heißt Harley-Davidson. Und zum anderen ist da die Farbe Mattschwarz. Natürlich heißt dieser Lackton nicht einfach Mattschwarz, sondern „Black Denim“. Tja, und der Hubraum, der ist zwar nicht genau gleich, aber fast. Die Sportster hat 1.203 Kubikzentimeter, die V-Rod 1.247 Kubikzentimeter Hubraum. Damit hat es sich aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Die Unterschiede wiegen da viel schwerer. In der Sportster etwa werkelt ein Antrieb, dessen technisches Grundkonzept bereits mehr als ein halbes Jahrhundert alt ist. Luftkühlung, untenliegende Nockenwellen, Stößelstangen, zwei Ventile pro Zylinder, langhubiges Hub-/Bohrungs-Verhältnis – all das sind Daten aus einer anderen Zeitalter des Maschinen-und Motorenbaus. Hohe Drehzahlen mag so ein Aggregat nicht, hier kommt es eher auf den satten Punch aus dem Drehzahlkeller an. Gute 100 Newtonmeter Drehmoment bei niedrigen 3.700 Umdrehungen zaubert Harley aus der obsoleten Konstruktion, damit lässt es sich in urbanem Milieu und auf Landstraßen prächtig leben. Auch die Leistung kann sich mehr als sehen lassen. 91 PS sind eine echte Ansage. Allerdings, um auch die letzten Pferde noch abzurufen, muss man den V2 auspressen bis fast in den Begrenzer. Erst bei 7.000/min ist die Herde komplett am Galoppieren, keine 100 Umdrehungen später regelt der Drehzahlbegrenzer ab. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf elektronischem Wege auf 200 Stundenkilometer limitiert. Unsere Fahrtests ergaben, dass die „X“ noch schneller laufen würde, wenn sie dürfte, aber 200 Sachen sind auf solch einem breit belenkerten Nackteisen wahrlich genug. Stures Autobahn-Gebolze ist eh nicht die Bestimmung dieses für Harley-Verhältnisse außerordentlich wendigen Geräts, ihre Domäne sind eindeutig die kurvigen Landstraßen dieser Welt. Zum Fahrspaß tragen die sportlich straffen und dennoch nicht unkomfortablen Federelemente ebenso bei wie die vernünftig schmale Bereifung und die sehr gute Doppelscheibenbremse im Vorderrad. Die passable Schräglagenfreiheit erlaubt durchaus auch sportlich-engagierte Einlagen, ein Renneisen ist die XR 1200 X aber ebenso wenig wie ein Reisemotorrad. Der kleine, nach hinten abfallende Soziussitz hat eher Alibi-Funktion. „Roadster“ nannte man diese Art von Motorrädern in den 50er und 60er Jahren und dass trifft im Falle der mattschwarzen, nackten „X“ den Nagel auf den Kopf.
Ein komplett anderes Kaliber ist die V-Rod Muscle. Brutal langgestreckt, tief kauernd, schwer, überaus kraftvoll – dieses Bike in Mattschwarz ist pures Adrenalin auf zwei Rädern. Technisch hat sich seit dem Erscheinen der V-Rods im Spätjahr 2001 wenig geändert, aber das Design ist endlich stimmig. Nicht umsonst taufte die Company dieses Bike „Muscle“, denn es ist so gestylt, wie Harley es von Anfang an für diese Baureihe Power-Cruiser hätte bringen müssen. Die maskulinen Ecken und Kanten stehen dem Dragstyle-Bike um so vieles besser als die fließend femininen Formen der frühen V-Rods. Vielleicht wäre die Akzeptanz dieser modernsten aller Harleys (Wasserkühlung, Vierventiler, 60° Zylinderwinkel) im Mutterland USA höher ausgefallen, wenn es von Anfang in diesem Macho-Gewand gesteckt hätte …
Den kompletten Artikel können Sie in der neuen DREAM-MACHINES 2/10 lesen.
Text: Dr. Heinrich Christmann Bilder: Carsten Heil
Dream-Machines – Die 100 spektakulärsten Maschinen im Portrait. Seit 1998 zeigt DREAM-MACHINES in jeder Ausgabe die weltweit schönsten Harley- und V2-Umbauten. Grund genug zum zehnjährigen Jubiläum des Magazins die 100 spektakulärsten Custombikes in einen fetten Wälzer zu packen. Auf mehr als 300 Seiten finden sich hier die absoluten Topbikes der vergangenen Jahre. Ein hochwertig aufgemachtes Werk zum Träumen, Staunen und Niederknien. Und eine unverzichtbare Inspirationsquelle für jeden, der gerne selbst den Schraubenschlüssel in die Hand nimmt.