Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest

19.11.2015  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Christian Heim
Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest
Harley-Davidson Fat Boy S – Fahrtest
Alle Bilder »
Mit der neuen Fat Boy S hätte Arni anno 1991 die Verfolgung durch L.A. wesentlich schneller beenden können. Mit dem gewaltigen 110B-Motor und seinen 94 gemessenen PS hat die Softail-Familie ihren König gekrönt
Klonk! 2 Euro ins Phrasenschwein. Natürlich muss bei einem Fahrbericht über eine neue Fat Boy die Rückblende zum Film „Terminator 2“ kommen. Dort nahm die Ur-Fat-Boy eine wichtige Nebenrolle ein und wurde so zum zweirädrigen Traum einer ganzen Generation. So auch bei mir. Ehrfürchtig stehe ich heute, 24 Jahre später, vor der neuen Fat Boy S. Träume werden wahr, in denen der V2-Bulle die Hauptrolle spielt. Gezählte acht, gefühlte dreißig verschiedene Schwarztöne sind in diesem Motorrad vereint worden und machen optisch sehr schlank. Trotzdem schiebt sich die Harley eindrucksvoll ins Bild und beherrscht die Szene ohne Gegenstimme. Fast dezent fallen die gravierten Plaketten auf den Rockerboxen aus. „Screamin’ Eagle 110“ ist dort verewigt. Und sollte noch jemand an der Potenz des 1801 ccm großen Triebwerks zweifeln, scheint der offene Luftfilter zu warnen: „Leg dich nicht mit mir an, sonst stampf ich dich in den Boden.“

Fat Boy S von Vorne

Eingeladen vom breiten Polster wird eine gemütliche Sitzposition eingenommen und der Start vorbereitet. Gespannt drücke ich den Anlasser und erschrecke. Bei jedem anderen Moped würde ich sofort auf einen defekten Freilauf tippen. Bei Harley-Davidson gehört das Gekrache dazu. Mit einem mächtigen Schlag rastet der Anlasser ein und schiebt die 101,6 mm dicken Kolben ihren 111 mm langen Weg durch die Zylinder. Der bisher nur in den sündhaft teuren CVO-Modellen verbaute Motor erwacht und donnert kernig aus dem Double-Shotgun-Auspuff. Die beiden Ausgleichswellen halten das Geschüttel in Grenzen und erklären das „B“ (Balanced) in der Motorbezeichnung. Der offene Stage-1-Luftfilter röchelt sportlich-sexy neben meinem rechten Knie. Im Leerlauf schon eine Ansage, verschmilzt diese Komposition zur unvergesslichen Arie, sobald die Drehzahl steigt. Einzig das Gesurre des Balancer-Antriebs klingt weiter nach Motorschaden. Bestimmend schiebt die Fat Boy S uns vom Hof …

Wo oben viel rein geht, muss unten viel raus: Optisch schöne Auspuffanlage mit kerniger Melodie

Das Getriebe ist sauber und einfach zu schalten. Cruisen ist anfangs angesagt, bei knapp über 2000 Touren. Der klei­ne Knick in der Leistungskurve? Nicht spürbar. Wer braucht schon Spitzenleis­tung zum Genießen. „Über 90 Pferde in einer Harley braucht kein Mensch“, denke ich noch, während ich den Hahn spanne. Heftig schiebt der 110B an, will gar nicht mehr aufhören zu beschleunigen und bei knapp über 5000 Umdrehungen treibt er nachgemessene 94 Gäule in Richtung Getriebe. Leider sehr geil.

Vergesst meine Aussage von eben. Der fette Junge braucht diese Power. Aus zweierlei Gründen. Erstens sprechen wir immer noch über Heavy Metal aus Milwaukee und da zählt jedes Kilowatt. Zweitens brauchst du als Fahrer ordentlich Qualm am Rad, um nach einer Kurve am Vordermann dranzubleiben. Aber da liegt der größte Schwachpunkt aller Softails. Selbst beim Abbiegen an der Ampel schraddeln die Trittbretter am Boden. Leider keine Ausnahme, eigentlich ist jeder Radius Feindesland. Das gute Fahrwerk kann viel mehr und die Vorderradbremse ist inzwischen auch voll okay. Einzig die fehlende Schräglagenfreiheit zwingt dazu unterhalb eines würdigen Niveaus durch Kurven zu rollen. So bleibt ein ambivalentes Bild der neuen Fat Boy S zurück. Der Motor macht höllischen Spaß, aber kurventechnisch lässt das Bike nicht viel zu. Vielleicht wurde deshalb der sehr gut funktionierende Tempomat verbaut, um nicht auf die Idee nach Kurvenräubern zu kommen.
Dennoch: Hallo Milwaukee, bitte diesen Motor für alle Big-Twin-Modelle!
  Teilen
Harley-Davidson Street Glide mit 120R-Motor

Harley-Davidson Street Glide mit 120R-Motor

 

Bertl’s Harley-Davidson Bamberg holt den legendären 120 Kubik-Inch-Motor von Screamin’ Eagle aus den Staaten und baut ihn auf Wunsch in Softail-, Dyna-…

Sensation: Brandneuer Harley-Motor

Sensation: Brandneuer Harley-Motor

 

Sensation: Brandneuer Harley-Motor

Harley-Davidson Neuheiten 2016

Harley-Davidson Neuheiten 2016

 

Die große Revolution aus Milwaukee blieb zwar aus, dafür gibt es aber reichlich positive Evolution beim Harley-Davidson Modelljahrgang 2016

Paradygm Longballer – Krasser Bagger von der Harley Factory Frankfurt

Paradygm Longballer – Krasser Bagger von der Harley Factory Frankfurt

 

Die Harley Factory in Frankfurt kann – hier ist der 30-zöllige Beweis – auch crazy Bagger. Das Bike entstand auf konkreten Kundenwunsch

Harley Davidson Milwaukee-Eight – Fahrtests des ganz neuen Big-Twin-Motors

Harley Davidson Milwaukee-Eight – Fahrtests des ganz neuen Big-Twin-Motors

 

Wir konnten den völlig neu konstruierten Big Twin der Harley-Davidson Motor Company bereits ausführlich testen und sagen ganz klar: Daumen hoch!

Harley-Davidson CVO Street Glide - Fahrbericht

Harley-Davidson CVO Street Glide - Fahrbericht

 

Eine Street Glide ist an und für sich schon ein richtig gutes Möppchen. Wenn dann auch noch der 1800er-Twin-Cam und reichlich Chrom ins Spiel kommen, fährt…

Topseller im Shop
Stand:23 May 2018 20:50:04/fahrtests/neue+harley-davidson+fat+boy+s+-+fahrtest_1511.html