Szeneshop-Angebote
18.11.2016  |  Text: Dr. Heinrich Christmann  |   Bilder: Christian Heim
Alle Bilder »

Kodlin-Sportster – Fahrbericht der ehemaligen Iron 883


Es müssen nicht immer Apparate mit ellenlangem Radstand und Massen von Stahlblech sein. Seit neuestem kann Kodlin auch schlank und rank


Die musst du unbedingt mal fahren“, lud mich Fred Kodlin ein. Das war im Casino in Velden, während der European Bike Week in Faak. „Klar, du bist ein bisschen zu groß für ’ne Sportster. Das tut dem Fahrspaß aber keinen Abbruch“, sprach Fred und bot mir an, das Bike in den Rhein-Neckar-Raum zu bringen. Gesagt, getan, und so fühlten wir dem Bike in „unserem Wohnzimmer“, im Kleinen Odenwald östlich von Heidelberg, auf den Zahn. Dort fahren wir seit über 35 Jahren Motorrad und kennen jede Ameise mit Vornamen. Ideal also, das Motorrad dort zu testen, wo man mit jeder Spurrille, jedem Hubbel im Asphalt, jeder Schlaglochpiste und jeder schnellen Kurvenpassage vertraut ist.

Trotz des breiteren Hinterreifens gibt sich die Kodlin-Sportster beim Einlenken spürbar handlicher als die Basis-Iron

Doch zunächst mal zum Motorrad selbst: Die beiden Kodlins, Sohn Len ist inzwischen volle Kanne mit an Bord der Custombike-Schmiede, haben wenig von der ehemaligen Iron 883 übriggelassen. Genau genommen nur den Rahmen, und selbst den haben sie noch an den unschönen Stellen hübsch verputzt und hinter den Stoßdämpferaufnahmen rigoros gecuttet. Um von dem nicht unerheblichen Leergewicht von 255 Kilo herunterzukommen (so viel wiegt eine Iron serienmäßig), wurde in Borken eigens eine schicke neue Schwinge aus Rundrohren entwickelt. Die bildschöne Upside-down-Gabel stammt vom italienischen Spezialisten O.D.C., die sportiven Leichtmetallräder von RevTech gibt’s bei CCE. Das Ergebnis der Kur: über 20 Kilo Gewichtsersparnis.

Motor mit richtig Dampf
Das Spritfass war zwar am Anfang ein Teil von Drag Specialties. Allerdings haben die Metallwerker aus Borken Hand und Schweißbrenner angelegt und den Tank hinten verlängert. Das Heckteil entstand, wie der rassige Bugspoiler, ebenfalls aus Metall. Anmerkung: Tank, Heckteil und Spoiler können inzwischen als Kaufteile auch einzeln bei Kodlin geordert werden. Richtig speziell ist auch der hauseigene M-Lenker, in ihn ist ein LCD-Instrument sehr sauber integriert. Die LED-Frontlampe hat genau den richtigen, weil kleinen Durchmesser, am Heck genügen winzige All-in-one-Leuchten von Highsider. Ein Top-Mattlack mit coolem Striping trägt viel zum edel-sportlichen Erscheinungsbild der Ex-Iron bei. Apropos Ex-Iron: 883 Kubikzentimeter waren’s mal. Jetzt stampfen 1200 S&S-Kubik den Harley-Beat, generös unterstützt durch einen hauseigenen Luftfilter, eine Kodlin-Auspuffanlage und ein neues Einspritz-Mapping.

Das Leergewicht wurde um über 20 Kilogramm reduziert

Spielerisches Handling
Und wie fährt das? Klare Antwort: ziemlich geil. Bereits im Stand fällt die Abmagerungskur des Chassis sehr positiv auf. Und dreht man am Kabel, geht die mit S&S-Parts aufgemöbelte 1200er spürbar besser als die 1200er Serienvariante aus Milwaukee. Mag sein, weil sie freier atmet. Mag sein, weil sie besser gemappt ist. Und mag auch sein, weil das Bike einfach leichter ist. Leistung jedenfalls vermisst man nicht, Kodlin spricht von 79 PS. Auch das Rolling Chassis taugt richtig gut. Zwar sind die Reifen etwas breiter als in Serie, dafür haben wir hinten jetzt ein 18-Zoll-Rad, das perfekt mit dem vorderen 19-Zöller harmoniert. In Verbindung mit den montierten modernen Niederquerschnitts-Radialreifen kann man sich über spielerisches Handling freuen. Auch die gänzlich anderen Federelemente funktionieren prima.

Unser Fazit
Diese Sportster ist schlicht und einfach auf den Punkt gebracht, sie wird ihrem Familiennamen mehr als gerecht. Bloß die Spiegel, Fred, die brauchen höhere Auslegerarme. Die habe ich bei jedem Kuppeln und Bremsen mit dem Knöchelschutz meiner Handschuhe gestreift. Aber das, liebe Leser, sind nun wirklich echte Peanuts.

Text: Dr. Heinrich Christmann
Bilder: Christian Heim

Kommentare zum Artikel





Aktuell am Kiosk: DREAM-MACHINES 4/17

Artikel aus der Ausgabe: 4/17

Rohling Stone – Schwergewicht auf Sportster-Basis
Rohling Stone – Schwergewicht auf Sportster-Basis
Yard built – Ironhead aus Privatgarage
Yard built – Ironhead aus Privatgarage
Exile on Mainstreet - Harley-Davidson Breakout von Bächli
Exile on Mainstreet - Harley-Davidson Breakout von Bächli
Hamburg Harley Days
Hamburg Harley Days
Finally Sportlich – Sportster Roadster mit Cafe-Custom-Kit
Finally Sportlich – Sportster Roadster mit Cafe-Custom-Kit
Right side left – FLH Panhead von Bill Dodge
Right side left – FLH Panhead von Bill Dodge

Ausgabe 5/17 erscheint am 15. September

Im Huber-Verlag erscheinen auch:

Weitere, relevante Artikel
  • Neuer Online-Shop von Fred Kodlin

    Kodlin goes online. Im neuen Shop findet ihr exclusive Parts für Harleys

  • Küryakyn „Bahn“-Serie bei Kodlin erhältlich

    Die Serie umfasst Parts für Touring-Modelle und kommt im Tuxedo-Finish Schwarz eloxiert und nachträglich CNC-bearbeitet.

  • Luftfilter by Fred Kodlin

    Fred Kodlin Motorcycles bietet Luftfilter mit passenden Derby- und Point-Covern für aktuelle Harley-Modelle an


Stand:22 August 2017 07:12:12/fahrtests/kodlin-sportster+-+ein+fahrbericht_1611.html