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18.03.2016  |  Text: Dr. Heinrich Christmann  |   Bilder: Volker Rost
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Iron 883 versus Forty-Eight - Zwei Harley-Davidson Sportster im Vergleich


Beide Sportster-Modelle sind für das Jahr 2016 nicht nur hinsichtlich des Fahrwerks kräftig überarbeitet worden. Welchem Bike hat das Upgrade mehr gebracht?


Fangen wir mit den Neuheiten an der günstigeren Maschine an: Die Iron 883 rollt auf neuen, in Schwarz getauchten und mit gefrästen Akzenten versehenen Neunspeichen Leichtmetallgussrädern. Am Vorderrad kommt eine neue, schwimmend gelagerte Bremsscheibe zum Einsatz. Viel wichtiger aber sind die neuen Innereien in der Gabel. Hier sind jetzt sogenannte Cartridges verbaut, Feder-/Dämpfereinheiten, die in einer Kartusche integriert sind. Und am überhaupt wichtigsten sind die neuen, stufenlos in der Vorspannung einstellbaren Federbeine mit progressiv gewickelten Federn am Heck. Zudem bietet ein neuer, abgesteppter Sitz nicht nur mehr Bequemlichkeit, sondern auch mehr Halt für den Fahrer. Hinzu kommen gechoppte Fender, das schwarze Triebwerk samt schwarzer Auspuffanlage, der Drag-Bar-Lenker, ein in Schwarz gehaltener gerippter Luftfilter und das Bullet-Hole-Design an Zahnriemenabdeckung, Auspuffhitzeschilden und am Frontfenderhalter. Wer sich die Iron dann noch in der neuen Farbe „Olive Gold“ holt, erntet auf der Coolness-Skala von 1 bis 10 locker 12 Zähler.

Die „Kleine“ ist größer! Die Iron (u. re.) ist länger, breiter, höher und vier Kilo schwerer als der schnuckelige Bobber Forty-Eight

Die über die Maßen beliebte Forty-Eight erhielt für das Modelljahr 2016 einen noch kraftvolleren Look. Das bobberartige Vorderrad wird jetzt von einer neuen Gabel mit 49 Millimeter dicken Standrohren geführt, die in nicht minder wuchtigen Leichtmetall-Gabelbrücken stecken. Auch der Gabelstabilisator zwischen den beiden Tauchroh­ren ist deutlich kräftiger ausgeführt. Gechoppte Fender geben den Blick auf die dicken Ballonreifen frei, die auf neue, filigran wirkende Leichtmetall-Gussräder aufgezogen sind. Sehr augenfällig ist auch die neu gestaltete Auspuffanlage mit den geschlitzten Hitzeschutzschilden. Das Thema Streifen zieht sich über das gesamte Bike hin, der Tank wurde mit horizontalen Streifen versehen, eine Hommage an den Style der 70er Jahre. Den Look dieser Linien findet man auch auf den Sitz gestickt, an der Zahnriemenabdeckung und der Riemenscheibe. Natürlich profitiert auch der Bestseller Forty-Eight von der neuen Fahrwerksabstimmung. Auch in ihrer Gabel arbeiten Cartridges und auch sie profitiert von den neuen, feinfühliger ansprechenden Emulsion-Federbeinen hinten.

Die neue Forty-Eight besitzt jetzt eine richtig fette Gabel

Die Motoren
883 gegen 1202 Kubikzentimeter, klingt nach einer klaren Sache. Fakt ist: Die beiden Motoren sind bis auf Bohrung und Verdichtung identisch. Zwar sind da diese ominösen 14 PS Leistungsunterschied zwischen den beiden, doch glauben Sie dem erfahrenen Harley-Tester: Ab dem Moment, in dem man die Iron am Hals packt und ihr alles abverlangt, verflüchtigt sich der nominelle Leistungsunterschied ins Nichts. Auf einer ihm außerordentlich gut bekannten Berg- und Talstrecke auf Mallorca war es dem Autor dieser Zeilen, der auf der Forty-Eight saß, nicht möglich, seinen hinter ihm fahrenden Flügelmann Jack (der von Jack Daniel’s) auf der Iron 883 abzuschütteln. Zwar bringt der Autor gute 40 Kilo mehr auf die Waage als Slim Jacky, doch diese Begebenheit zeigt, wie wenig das Leistungsplus der 1200er im normalen Alltag wiegt. Indes, unbestritten und viel wichtiger als das Plus an Leistung ist das Plus der 1200er an Drehmoment. Auf dem Papier liegen zwischen den beiden Motoren 25 Nm, und die spürt man ganz klar in so mancher Fahrsituation. Die 1200er pumpt sich spürbar souveräner aus niedrigen Drehzahlen hoch, die „Kleine“ braucht dafür mehr Drehzahl, mehr Zeit, oder mehr Gleichmut. Die 1200er ist eindeutig souveräner motorisiert, Hubraum ist halt durch nichts zu ersetzen. Die Motorenwertung geht deshalb – was Wunder – an die 1200er Forty-Eight, ein Vorteil, der einem 2500 Euro wert sein muss.

Mit der Iron lässt’s sich beherzt um die Ecken ballern

Fahrwerk und Fahrdynamik
Vor einem Jahr hätte die Sache vielleicht noch anders ausgesehen, aber seit der umfassenden Fahrwerksoptimierung mit den höherwertigeren Feder- und Dämpferelementen ist die Iron fahrdynamisch einfach im Vorteil. Die Forty-Eight hat aufgrund ihres flachen geduckten Aufbaus und der 16-Zoll-Bobber-Bereifung eine erfahrbar geringere Bodenfreiheit als die Iron, sprich: die Schräglagenfreiheit der Forty-Eight ist begrenzter, unterstützt noch von den etwas tiefer angebrachten vorverlegten Fußrasten. Forty-Eights kratzen schon hässliche Striemen in den Asphalt, wenn Iron-Treiber noch über Reserven verfügen. Generell lässt sich die Iron dank ihres schmalen 19-Zoll-Vorderrads beherzter ins Eck werfen. Überhaupt macht sie, obwohl sie den hubraumschwächeren Motor hat, den erwachseneren Eindruck. Fakt ist: Die Iron ist länger, breiter, höher und sogar ein paar Kilo schwerer als die Forty-Eight. Sie hat auch einen größeren Radstand, sie ist also tatsächlich das erwachsenere Motorrad. Und das spürt man auch beim Fahren. In winkligem Geläuf, wo die Forty-Eight mit ihren 16-Zöllern manches Mal etwas hibbelig wirkt, schnürt die Iron souverän und stoisch durch wie der Schnellzug durch den Dorfbahnhof. Die Fahrwerks- und Fahrdynamikwertung geht deshalb eindeutig an die rundum erneuerte, richtig gut gewordene Iron 883. 

FAZIT
Die Forty-Eight ist nicht ohne Grund seit ihrem Erscheinen die bei weitem meistverkaufte Harley in Deutschland. Mit den optischen Verfeinerungen und den techni­schen Verbesserungen ist sie besser als je zuvor. Doch die runderneuerte Iron ist ihr beachtlich dicht auf den Fersen. Vom etwas schwächeren Motor mal abgesehen ist sie mit ihrer neuen rotzfrechen Dark-Custom-Optik, den gelungenen Federelementen und den neuen Lackvarianten eine echte Alternative für Leute, die nicht unbedingt hipstercool daherkommen müssen. In ihrer neuen Tracht bietet sie richtig viel Harley-Davidson fürs Geld und kommt mit ihrem – vernünftigen – 12,5-Liter-Tank auch noch fast 100 Kilometer weiter als die Forty-Eight mit ihrem Peanut-Tässchen. Und 2500 Ocken Differenz sind schließlich auch noch ein Argument. Somit wird die Fahrmaschine Iron 883 in diesem Vergleich – ungeachtet der unbestrittenen optischen Attraktivität der Forty-Eight – die eindeutige Siegerin unserer Herzen.

Text: Dr. Heinrich Christmann
Bilder: Volker Rost

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Stand:22 August 2017 07:17:14/fahrtests/iron+883+versus+forty-eight+-+zwei+h-d+sportster+im+vergleich_163.html