Astrein Gebobbt – Fahrbericht Indian Scout Bobber

18.11.2017  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Hersteller
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Astrein Gebobbt – Fahrbericht Indian Scout Bobber
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Mit der Scout Bobber könnte Indian ganz groß aufschlagen bei Hipstern, Obercoolen und auch potentieller Sportster-Klientel. Ein erster Fahrtest
Das Thema „Bobber“ geht gerade wie geschnitten Brot. Und dafür braucht das Fahrzeug nicht einmal aus „Gods own country“, dem Mutterland der Bobber-Bewegung, zu kommen. Das fahrende Volk steht derzeit mächtig auf maximal Gestripptes. Und wenn das dann auch noch tief über der Erde kauert, nur einen Solositz hat und auf zwei fast gleich großen schmalen Ballonreifen steht, dann ist alles in Butter. Triumph hat mit seiner Bonneville Bobber gerade einen kolossalen Lauf, die müssen das Ding nicht aktiv verkaufen. Die Nachfrage ist derzeit so groß, dass sie kaum zu befriedigen ist. Von diesem Kuchen kann sich Indian jetzt einen schönes Stück abschneiden, denn – soviel vorweg – die Scout Bobber ist gelungen. Aber der Reihe nach.


Motor
Grundsätzlich ist der Motor der Bobber identisch mit dem der großen Scout. Und das ist gut so, denn der ist bekanntlich ein echtes Brett, was Elastizität, Druck und Drehfreude betrifft. Und obwohl er, wenn man das Seil spannt, mit ungeheurer Vehemenz bis 8000 U/min dreht, lässt er auch gemütliches Cruisen im niedertourigen Bereich zu. Auch wenn nur 3000 auf der Uhr stehen, geht’s ihm schon gut, darüber wird es pfeffrig. Im falschen Gang zu sein, ist fast unmöglich, das Aggregat macht annähernd bei jeder Drehzahl mit. Ganz großer Motorenbau – bekanntlich aus der
Schweiz! Eine winzige Kleinigkeit unterscheidet den Motor der Bobber von dem der Schwester Scout. Die Bobber kommt hierzulande mit amtlichen 95 statt 97 PS. Das ist der Tatsache geschuldet, dass sie nur so (95 PS geteilt durch 2 = 47,5 PS) für den Führerschein A2 (Motorräder bis 48 PS) umrüstbar ist.

Nein, die nach unten montierten Lenkerendenspiegel wird es in Serie nicht geben, die haben kein e-Prüfzeichen
Fahrwerk
Das Ding steht stämmig da: lang, flach, maskulin – einfach bärig. Kein Wunder bei 1,562 Meter Radstand und nur 1,154 Meter Höhe. Beim ersten Aufsitzen gibt es zunächst ein kurzes Aufmerken. Im ersten Moment ist die Sitzposition etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Fußrasten wurden im Vergleich zur Scout um 38 Millimeter nach hinten gelegt, im Gegenzug wanderte der Lenker deutlich vom Fahrer weg nach vorn. Daraus resultiert eine leicht aufgespannte Sitzposition, die aber auch ein bisschen was von „Attacke“ hat. Nach den ersten 30 Kilometern war die Irritation über die engagierte Sitzposition eh wie weggeblasen, da hieß es dann nur noch Feuer frei.

Die Scout Bobber sieht schon ab Werk aus wie ein Custombike

Das stabile Fahrwerk aus Leichtmetallgusskomponenten, kombiniert mit zwei stählernen, verschraubten Oberrohren, ist identisch mit dem der Scout und macht praktisch alles mit. Allerdings haben die Entwickler der Bobber am Heck der cooleren Optik wegen mal eben 26 Millimeter Federweg geklaut. Schon die 76 Millimeter Federweg der Scout sind grenzwertig wenig, die 50 Millimeter der Bobber sind auf schlechter Wegstrecke echte Bandscheibenkiller; wohl dem, der nur auf topfebenen Straßen unterwegs ist. Der Schräglagenfreiheit ist das flache Heck natürlich ebenfalls nicht zuträglich. In kurvigem Geläuf setzen die Fußrasten einigermaßen früh auf, danach schraddelt rechts der Krümmer, links der Seitenständer nervig auf dem Asphalt. Spätestens dann sollte man den Fahrstil ändern, denn nach dem Krümmer kommt der massive untere Topf, und nach dem geht’s ab in den Forst.



Die montierten Ballonreifen von Kenda mit ihrem bewusst martialischen Profilbild konnten im Trockenen vollauf überzeugen, sowohl was den gebotenen Grip als auch das Handling angeht. Wie sich die Taiwan-Gummis auf regennasser Fahrbahn verhalten, konnten wir dank guten Wetters an der Côte d’Azur glücklicherweise nicht austesten. Überzeugen konnten auch die Bremsen. Obwohl vorne eine zweite Scheibe fehlt, erwies sich das Pärchen an Front und Heck den Fahrleistungen der Bobber stets gewachsen. Fading konnten wir auch auf den Berg- und Talparcour des Küstengebirges nicht feststellen.

Fazit
Wir lehnen uns aus dem Fenster und prognostizieren: Die Scout Bobber wird ein Erfolg werden. Ihre Optik ist durch und durch stimmig, sieht man von dem serienmäßig verbauten Kennzeichenträger ab, der unbedingt durch eine gefälligere Lösung, beispielsweise einen seitlichen Träger, ersetzt gehört. Verbesserungspotential gäbe es auch hinsichtlich der total lieblos angefummelten Fußrasten. Wir persönlich würden dem Bike auch – Optik hin oder her – längere und bessere Stoßdämpfer hinten verpassen. Darüber würde sich die Steißbeinregion freuen und gleichzeitig wäre die Schräglagenfreiheit erhöht, was sich materialschonend und gesundheitsförderlich auswirken würde. Ansonsten sehen wir keinen Handlungsbedarf, denn die Bobber ist ein geiles Stück Zweirad geworden, das schon ab Werk aussieht wie ein Custombike.
Motor
Flüssigkeitsgekühlter V2-Viertakter, Zylinderwinkel 60°, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder angesteuert über Schlepphebel, Trockensumpfschmierung, EFI Ø 60 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 420 W,
mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen
Hubraum: 1131 ccm
Bohrung x Hub: 99,0 x 73,6 mm
Nennleistung: 95 PS bei 8000 U/min
Max. Drehmoment: 97 Nm bei 5600 U/min

Fahrwerk
Verbundrahmen aus Aluminiumgussteilen und Stahlrohr-Oberzügen, verschraubtes Aluheck mit Stahlfender, Telegabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser, Zweiarmschwinge aus Aluminiumguss, zwei Federbeine mit verstellbarer Federbasis, Scheibenbremse vorn Ø 298 mm, Doppelkolben-Schwimmsattelzange, Scheibenbremse hin­ten Ø 298 mm, Einkolben-Schwimmsattelzange, ABS
Leichtmetall-Gussräder:  vo. und hi. 3,50 x 16"
Bereifung: vo. 130/90-16", hi. 150/80-16” Kenda

Maße und Gewichte
Lenkkopfwinkel: 29°
Nachlauf: 119,9 mm
Federwege: vo. 120 mm, hi. 50 mm
Sitzhöhe: 649 mm
Gewicht fahrfertig: 255 kg
Tankinhalt: 12,5 Liter
Zulässiges Gesamtgewicht: 449 kg
Lieferbare Farben: Grau, Grün, Rot, Schwarz, Mattschwarz
Preis: 13.990 Euro
Garantie: Fünf Jahre

 
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Stand:23 April 2018 11:10:15/fahrtests/astrein+gebobbt+-+fahrbericht+indian+scout+bobber_171106.html