Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez

31.01.2018  |  Text: Todd Gomez; hch  |   Bilder: Carsten Heil
Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez
Prime Time – XL 1000 Ironhead von Todd Gomez
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Knackige Starrrahmen-Chopper werden hierzulande eher von gereifteren Bikern gebaut. In den Staaten ist das anders. Das Gerät auf den folgenden Seiten hat sich ein gerade mal 28 Jahre junger Mann auf den Leib geschneidert. Hier erzählt er die Entstehungsgeschichte des Bikes
Ich habe die 1975er Basis-Sportster über Craigslist (Anzeigenwebsite ähnlich eBay, Anm. d. Red.) gekauft. Eigentlich wollte ich bloß mit wenig Aufwand ein Starrrahmen-Bike daraus basteln und es dann verhökern, doch es kam alles anders. Das ist so, wie wenn du einem bildenden Künstler ein weißes Blatt Papier hinlegst und sagt: ‚Mal ein Strichmännchen und verkauf es dann.‘ Da war so viel, was ich ausprobieren wollte, Sachen, die ich so noch nie gesehen hatte. Ich besitze einen riesen Stapel von Chopper-Magazinen aus den 70er Jahren, der Stil dieser alten Bikes hat mich irgendwann total angefressen. Damals, vor dem Internet-Zeitalter, war dasjenige cool, was der Erbauer cool fand. Elektronische Massenmedien, die dir rund um die Uhr suggerieren, was cool ist, gab’s ja noch nicht.

Aufgebaut wurde die Prime Time nach Feierabend zur besten Sendezeit

Einen Monat, nachdem ich mein Basis-Bike hatte, verunglückte mein bester Freund John „Pegleg Mike“ Robinson mit seinem Motorrad tödlich. Ich hatte im Vorfeld mit ihm über mein Umbauvorhaben gesprochen und er war es, der mir dringlich geraten hatte, keinen Langgabler zu bauen, sondern den Radstand kurz zu halten. Dann fing ich an umzubauen wie ein Verrückter. Alles musste nach Feierabend passieren, weil ich einen normalen 9-zu-17-Uhr-Job habe. So manches Mal hatte ich keine saubere Unterwäsche mehr und in der Küche stapelte sich das schmutzige Geschirr nicht selten turmhoch. Dem originalen Rahmen ging es zuerst an den Kragen. Der vordere Teil wurde komplett gecleant, das Schwingenheck abgeflext und ein Starrrahmen-Endteil von Santee angeschweißt. Das originale Invader-Hinterrad konnte ich auf einem Flohmarkt ergattern, das passende 21-Zoll-Vorderrad im Invader-Stil ist neu und stammt von Scotty. Die superschmale Gabel mit ihren extra eng stehenden Gabelbeinen ist ein Teil von Wargasser.

So sinnvoll kann man seine Freizeit nutzen. Die Glotze bleibt weiterhin aus. Nach dem Aufbau steht nun das genussvolle Cruisen auf dem Plan

Das lange Rücklicht fand ich auf einem Schrottplatz, es war das eines 1973er Chryslers 300. Allerdings habe ich davon nur das rote Deckglas verwendet, als Lichtquelle habe ich darunter moderne LED-Technik installiert. Das Gehäuse, das die Sissybar bildet und auch das Rücklicht aufnimmt, ist aus Stahlblech entstanden. Davor habe ich tagelang wie ein Blöder im Wohnzimmer mit Pappe und Tesa rumgeschnippelt und geklebt, bis ich einen Dummy hatte, mit dessen Form ich zufrieden war. Den fertigen Sissybar-Körper verschweißte ich mit einem zurechtgeschnittenen Heckfender, der ehemals an einem Bootsanhänger montiert war. Der Tank entstand zwar aus einem Ex-Sportster-Fass, vom Original ist aber fast nichts mehr übrig. Schmaler und höher gemacht, anderer Tunnel, eine asymmetri­sche Außenhaut, so passt das jetzt. Den selbst gefertigten Öltank habe ich mit dem Heckfender verschweißt.

Einfache Lösung: gedrehter Sechskantstahl als Soziusfußraste, starr verschraubt

Der Motor selbst war technisch in Ordnung. Es sind jetzt Übermaß-Kolben von Wiseco, ansonsten habe ich nur den Vergaser getauscht und eine gute Zündung verbaut. Der Optik wegen habe ich die Rockerboxen geteilt, mein Kumpel Raz hat mir die vier Einzelcover dann kunstvoll zugeschweißt. Der stark verrippte Ölkühler vor dem Öltank ist übrigens ein altes Customteil von Drag Specialties. Ich fand es auf einem Flohmarkt.



Die 70er Jahre Psychedelic-Flower-Power-Old-School-Lackierung brachte mein Kumpel Joey Tee auf. Ach ja, sie wollen sicher wissen, wieso ich das Bike „Prime Time“ getauft habe. Nun, ich konnte immer nur abends daran arbeiten, eben zu der Zeit, zu der das übrige Amerika vor der Glotzen sitzt und sich mit dumpfbackigen Shows das Hirn vernebeln lässt – zur Prime-Time-Sendezeit. Ich denke, ich habe die Prime Time besser genutzt!
Erbauer: Todd Gomez, Palm Coast, Florida

Motor
Typ: original XL 1000 Ironhead (1000 ccm)                                                      
Baujahr: 1975                                                      
Kolben: Wiseco, 0.050” Übermaß
Vergaser: S&S Super E
Trichter: FMA
Zündung: Dynatec
Auspuff: Paughco Upswept
Specials: Geteilte Rockerboxen, geripptes Primärcover

Getriebe
Typ: original H-D Viergang, Bj. 1975
Kupplung: Barnett
Sekundär: Rollenkette

Fahrwerk
Rahmen: original H-D XL , sehr stark modifiziert
Heck: starr gemacht mit Santee-Hardtail
Gabel: Wargasser Super Narrow, Tauchrohre gecleant
Räder: vorn 21” Invader-Style von Scotty’s, hinten echtes Vintage-Invaderrad
Bereifung: vorn Speedmaster, hinten Goodyear Speed Grip
Bremsen: vorn keine, hinten Trommel                                                      

Accessories
Tank: Basis XL Sportster, sehr stark modifiziert
Öltank: Eigenbau
Fender: hinten Ex-Boot-Trailer, modifiziert
Lenker: Rabbit Ears, Einzelanfertigung
Fußrasten: original H-D XL
Lichtmaschine: Frank Regulator, angepasst
Scheinwerfer: Highbride Vintage mit LED-Technik
Rücklicht: Gehäuse 1973er Chrysler 300, mit LED-Technik
Sitze: King & Queen von Haifley Brothers
Lack: Joey Tee/BD Customs

 
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