Ein Schatz an Details – Harley-Davidson Modell U von UCC

15.09.2017  |  Text: Charley Charles   |   Bilder: Siwer Ohlsson
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Ein Schatz an Details – Harley-Davidson Modell U von UCC
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Schaut man nur flüchtig hin, könnte Niklas Svenssons Model U aussehen wie jeder alte Retro-Chopper. Aber die Details und viele Teile sind super selten oder sogar einzigartig. Kein Wunder, dass er zu der prestigeträchtigen Brooklyn Invitational Show eingeladen wurde
Niklas Svensson ist vierzig Jahre alt und Besitzer und Redakteur einer Skateboardzeitschrift. Er tummelt sich noch nicht allzu lange in der Custombike-Szene, aber sein vorheriges Bike war auch schon wahnsinnig cooler Knucklehead-Bobber, an dem ganz seltene Teilen wie etwa eine alte Vard-Teleskopgabel von 1940, eine magnethydraulisch wirkende Frontbremse und eine halbautomatische Schaltung namens Speed-E-Shift verbaut war. Als er mit der Knuckle fertig war, fiel Niklas auf, dass er noch wahnsinnig viele Spezialteile herumliegen hatte. Damit konnte er glatt noch ein zweites Bike aufbauen. „Aber es machte natürlich keinen Sinn, mir nochmals das gleiche Bike zu bauen. Jedoch, einen Langgabler hatte ich noch nie besessen.



Die Jungs von UCC (Unique Custom Cycles) halfen ihm, einem alten Starrrahmen 45 Grad Rake, 6 Zoll Stretch und eine etwas abgesenkte Sitzhöhe zu verpassen. Die UCC-Jungs waren es auch, die die Idee vorbrachten, den Motor der Optik wegen mittels Distanzstücken um einen Zentimeter höher im Rahmen zu montieren. Auch das Getriebe wurde ein wenig angehoben, um für den Antriebsstrang eine gerade Linie bis hin zum Hinterrad zu gewährleisten. UCC machten auch die Gabelbrücken um elf Millimeter schmaler und den Sargtank. Und was ist das mit diesen seltsam aussehenden Zyklinderköpfen? Nicht wenige  Kenner haben schon gemutmaßt, es handele sich dabei um spezielle Rennköpfe einer Indian. Aber das ist mitnichten so. Niklas erzählt : „Der Mann, der Flathead Power gegründet hat, wusste, dass ich seltene Teile liebe und erzählte mir von einem anderen Typen, der ein Paar einzigartige Aluminiumköpfe hatte, die bei ihm im Regal verstaubten. Sie wurden vor zehn Jahren von einem professionellen Künstler namens Björn Sjöberg gegossen. Und wie jeder wahre Künstler hatte er damals nur sechs Paare gemacht und dann die Gießformen zerstört! In der Kunstwelt werden Objekte als einzigartig bewertet, wenn sie in nicht mehr als sechs Einheiten existieren.



Niklas sprach den Kerl an, der das Pärchen besaß und sagte ihm, er wolle es kaufen. Er musste ihm versprechen, die Köpfe auch wirklich am Fahrzeug zu benutzen, er wollte ausschließen, dass Niklas nur ein paar schnelle Dollar damit machen wollte. Wie sich herausstellte, waren die Köpfe waren in einem unfertigen Rohzustand. Niklas orientierte sich zwangsläufig an den Daten von alten Harley-KR-Flatheads, um die Verbrennungskammern in die richtige Form zu bringen. Er erleichterte die Zylinder in guter, alter Hot-Rod-Tradition, verpasste den Köpfen größere Einlassventile (2,1") und erhöhte Kompression, um ein paar Extrapferde zu mobilisieren.

„Ich habe jetzt ein Kompressionsverhältnis von eine 6,6 : 1. Das klingt vielleicht nicht nach besonders viel, aber die Serienkompression ist nur 5 : 1", klärt uns der Edelschrauber auf. „Mit 8 : 1 würde ich nach meinen Berechnungen gerade mal auf maximal 4000 Umdrehungen kommen, weil die Füllung viel schlechter wäre.“ Wow, der Mann versteht ganz klar was von Technik. Das beweist auch der alte Wico-Magento aus einem Trecker, den er mal eben auf Doppelzündung und Single-Fire umgebaut hat.

Die Frontlampen können nicht ganz ernst gemeint sein

Der Vergaser ist ein Linkert M51, dessen Venturi-Rohr er für besseren Durchfluss im mittleren Drehzahlbereich modifiziert hat. Im langen dunklen schwedischen Winter will Niklas aber einen anderen Vergaser anbauen, einen, von dem die meisten Menschen noch nie gehört, geschweige denn einen gesehen haben. Es handelt sich dabei um einen Linkert MR2 aus der Ära zwischen 1934 – 1938. Solch ein Ding hatte Joe Petrali an seinem Knuckle-Rekord-Racer. „Wenn mal solch ein seltenes Teil auf eBay auftaucht, werden für gewöhnlich dreitausend Dollar aufgerufen. Dank guter Connections habe ich ein Exemplar für sechshundertsechzig Dollar ergattern können“, freut sich der Rare-Parts-Aficionado.



Die Bremsen hat er auch noch ziemlich tricky umgebaut, und schließlich war der Seitenventiler nach gut drei Jahren fertig für die Probefahrt. Zunächst verweigerte er den Dienst – wie sich herausstellte, weil der Wico-Magneto entmagnetisiert war – aber ein Experte konnte das Problem beheben und die Flattie sprang tatsächlich auf den zweiten Kick hin an.
Motor
Typ: orig. H-D Model U (1440 ccm), Bj. 1947                                                      
Zylinderköpfe: Model KR/U von Björn Sjöberg
Ventilfedern: Leineweber Special
Nockenwellen: Leineweber 420 Special
Kolben: Charlie Karling
Kurbelwelle: Truett & Osborne 4,75“ Torque Monsters
Ölpumpe: CHP
Vergaser: Linkert M51, modif.
Zündung: orig. mit Unterbrecher
Auspuff: Eigenbau und Johan Pettersson

Getriebe
Typ: orig. H-D Viergang
Kupplung: orig. H-D, modif.
Primär/Sekundär: Rollenkette
Schaltung: Handschaltung, Jockey Shift

Fahrwerk
Rahmen: orig. H-D Straightleg, Bj. 1947, modif.
Rake: 46°
Stretch: 6“
Gabel: orig., 20“ länger, Tauchrohre Barney’s  
Gabelbrücken: Bj. 1949, 11 mm schmaler von UCC             
Räder: vo. Nabe H-D 1947, Felge WMO, hi. Nabe H-D mit Felge Volkswagen
Bereifung:  vo. 2.75 x 19” Avon Speedmaster, hi.  165 x 15” Michelin XZX
Bremse: H-D, mechanische Trommel, umgedreht                                                      

Accessories
Tank: UCC
Öltank: Eigenbau
Fender: Eigenbau
Lenker: Eigenbau und UCC
Handhebel: Tolle innenliegender Gaszug
Fußrasten/Fußhebel: Eigenbau
Rücklicht: Eigenbau, batteriebetrieben
Sattel: Gunnhild Krantz
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Stand:19 November 2017 02:21:08/bike-portraits/ein+schatz+an+details+-+harley-davidson+modell+u+von+ucc_171026.html